Streifzüge im Kiez

Ein Spaziergang in eine andere Zeit

Wie wird das Leben in Zukunft aussehen? Wie wird sich der Kiez in 45 Jahren verändert haben? Unser jüngstes Redaktionsmitglied macht sich bei einem fiktiven Spaziergang im Jahr 2068 Gedanken darüber. Er selbst wird dann 60 Jahre alt sein.

Grüne Fassaden, grünes Dach, Solarpaneele, ein Radweg und ein Wasserlauf auf der Brunnenstraße: So stellt sich unser Autor Jakob die Zukunft im Kiez vor. Foto/Bearbeitung: Dominique Hensel, Collage: Jakob Hensel
Grüne Fassaden, grünes Dach, Solarpaneele, ein Radweg und ein Wasserlauf auf der Brunnenstraße: So stellt sich unser Autor Jakob die Zukunft im Kiez vor. Foto/Bearbeitung: Dominique Hensel, Collage: Jakob Hensel

Es ist früh am Morgen, als ich aus meiner Wohnung trete, um einige Brötchen beim Bäcker zu holen. Obwohl sich in den letzten 45 Jahren im Brunnenviertel viel verändert hat, wirkt all das Neue so vertraut. Bis auf die Straße, die nur noch von wenigen parkenden Autos und einigen elektrisch betriebenen Rufbussen belebt wird, hat sich hier doch eigentlich kaum etwas verändert, denke ich mir. Ich gehe oft schon sehr früh zum Bäcker, da zu dieser Zeit die zu erwartende Hitze des Tages noch nicht eingetroffen ist. Weil der Klimawandel auch das Brunnenviertel im Sommer zum Kochen bringt, ist zu dieser Jahreszeit der Morgen die allerschönste Zeit. Aufgrund des Abreißens des Golfstroms kann ich das im Winter nicht behaupten. In den ersten Monaten des Jahres hatte ich oft meinen Spaß daran, die Panke mit Schlittschuhen zu erleben.

Die Vögel zwitschern bereits und Wasser tropft von den Dächern auf denen sich (ausnahmslos) Solaranlagen und etwas geschützter Lebensraum befinden. Im Jahr 2068 haben alle Häuser einen von Dach zu Dach leicht variierenden Lebensraum über den Wohnungen. Über meinem ist es eine grüne Wiese, die viele Bestäuber anlocken und auch die Häuser auf natürliche Weise kühlen soll. Auf manchen Häusern bauen die Bewohner auch Gemüse an.

Nach einigen Minuten komme ich auf die Brunnenstraße. Auch wenn der Bäcker längst hinter mir liegt, beschließe ich, das Brunnenviertel heute länger zu genießen. Die im Herzen des Kiezes verlaufende Straße mit dem grünen Mittelstreifen, lässt heute sehr leicht einen Trugschluss über ihre Namensgebung zu. Denn auf der einen Hälfte, die früher zwei Fahrspuren für den Autoverkehr hatte, verläuft nun ein kleiner Wasserlauf, an dem auch so mancher Brunnen liegt. Um meinen Spaziergang fortzuführen, begebe ich mich auf den ebenfalls entlangführenden Weg, auf dem viele Kinder und Erwachsene umherradeln. Auf
meinem Weg in Richtung Gesundbrunnen, werden die Häuser immer höher. In den letzten 15 Jahren wurden viele der Gebäude aufgrund ihrer guten Lage aufgestockt, teilweise sogar um ein Drittel. Der untere Teil der Häuser wurde dabei aber nicht großartig verändert, weshalb das Aussehen der verlängerten Häuser etwas seltsam ist. Denn in der Mitte der Häuser ist weiterhin die alte Dachbegrünung vorzufinden. Über der grünen Etage gibt es dann weitere Stockwerke, die auf Stützen stehen.

An der Ecke Brunnenstraße und Gustav-Meyer-Allee angekommen, blicke ich auf das komplett neue Stadtviertel in meinem Kiez. Dort, wo früher ein Glasbau ähnlich dem Palast der Republik (Unter den Linden) stand, befindet sich nun ein völlig neues Quartier. Bestehend aus gläsernen und mit Pflanzen übersähten Wolkenkratzern und nachhaltig designten Holzhäusern hätten diese Gebäude für mich im Jahr 2022 sicherlich einen futuristischen Eindruck gemacht.

Ich blicke an den Häusern empor und bemerke so, dass der Mond noch am Himmel steht. Ich überlege, ob ich mit einem Fernrohr die bereits seit 24 Jahren bestehende Mondkolonie sehen könnte. Zu meinem Bedauern wird sie derzeit etwas vernachlässigt. Im Gegensatz zur Marskolonie, zu der dreimal täglich ein Space X-Starschip startet, gehen die Entwicklungen an unserem Außenposten auf dem Erdtrabanten nur schleppend voran. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als eine Gondel den Mond verdeckt. Sie gehört zu der neuen Seilbahn, die in einigen Jahren eröffnen soll. Momentan bestehen nur einige Testfahrten.

Schließlich mache ich noch einen Abstecher zu den Liesenbrücken. Die Veränderungen an ihnen stammen noch aus dem Jahr 2025. Der schon seit meiner Kindheit bestehende Panketrail ist zwar alt, doch wird er noch immer stark genutzt. Einem Fußgänger würde ich aber eher nicht empfehlen, die alten Brücken zur Überquerung des Kreisverkehres zu nutzen, weil dort einfach zu viele Radler unterwegs sind. Zum Glück habe ich es nicht eilig und kann auch einen anderen Weg nehmen. Ich kann ja auch einmal später frühstücken.

Text und Collage: Jakob Hensel (13 Jahre)

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