Schreibtipps

Auf dieser Seite beantworten wir nach und nach häufig gestellte Fragen zum journalistischen Arbeiten. Unsere Tipps richten sich an alle, die Beiträge für unser Kiezmagazin brunnen verfassen, aber natürlich können sich hier auch alle anderen Schreibinteressierten umsehen. Ihr habt eine Frage, die auf diese Seite passen könnte? Schreibt an kiezreporterin@gmx.de.


Folgende Fragen haben wir bislang beantwortet:

Wie finde ich ein Thema fürs Kiezmagazin?
Wie grenze ich ein Thema ein?
Wie organisiere ich ein (Recherche-)Interview?
Wie gehe ich mit PR-Material um?
Wie schreibe ich verständlich?
Wie strukturiere ich kurze Texte?
Welche journalistischen Darstellungsformen gibt es?
Welche Zeitformen nutze ich?
Was ist bei der Nennung von Zahlen oder Zeitangaben zu beachten?
Was kann ich vom Boulevard-Journalismus lernen?
Was sollte eine Überschrift können?
Was gehört in eine Bildunterschrift?
Wie kann ich Menschen in meinen Artikel einbinden?
Wie zitiere ich jemanden richtig?
Wann darf ich Menschen auf Fotos abbilden?


Wie finde ich ein Thema fürs Kiezmagazin?

Die Artikel, die in einem Lokalmedium wie unserem Kiezmagazin erscheinen, brauchen einen Bezug zum Verbreitungsgebiet. Das heißt aber nicht, dass wir bei der Themensuche nicht auch über den Rand des Brunnenviertels schauen sollten. Diese Hinweise helfen euch bei der Themenfindung:

Geht mit offenen Augen und Ohren durchs Viertel.

  • Was fällt euch auf, wenn ihr durch den Kiez lauft? Wird irgendwo gebaut? Ist etwas anders als sonst?
  • Worüber reden die Nachbarn? Guckt doch mal beim Bäcker vorbei oder fragt beim Frisör nach Neuigkeiten.

Werft einen Blick in den Kalender.

  • Ob Frühlingsanfang oder Schulbeginn – solche Themen finden sich so regelmäßig in den Medien wie sie im Kalender auftauchen. Überlegt euch, wie ihr einen lokalen Bezug herstellen könnt.
  • Auch Jubiläen bieten einen willkommen Anlass für eine Berichterstattung. Der Sportverein feiert seinen 100. Geburtstag? Eine super Gelegenheit, ihn im Magazin vorzustellen.

Stöbert in anderen Medien.

  • Viele aktuelle Themen, über die bundesweit oder in Berliner Medien berichtet wird, lassen sich auf das Brunnenviertel beziehen. Die Hauptstadt ist im Berlinale-Fieber, aber unser Kiez hat kein Kino? Vielleicht finden wir einen Filmstudenten aus dem Brunnenviertel, der im Berlinale-Palast jobbt und den wir porträtieren können.
  • Auch Soziale Medien wie Facebook oder Blogs sind gut geeignet, um sich inspirieren zu lassen.

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Wie grenze ich ein Thema ein?

Themen können in Medien in der Regel nicht in ihrer ganzen Komplexität dargestellt werden. Stattdessen solltet ihr euch auf Teilaspekte des Themas konzentrieren. Ist das Thema sehr groß, braucht ihr vielleicht mehrere Artikel.

Um gesellschaftliche Entwicklungen zu schildern, greifen Journalisten häufig Beispielfälle heraus, die stellvertretend für die Gesamtheit stehen. Der Lehrermangel in Berlin etwa lässt sich anhand der Situation an einer einzelnen Schule verdeutlichen. Wir haben eine Grippewelle in Berlin? Schauen wir doch mal, wie voll das Wartezimmer beim Allgemeinarzt nebenan ist (aber nur kurz ;) ).

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Wie organisiere ich ein (Recherche-)Interview?

Das Internet, Archive oder Pressemitteilungen liefern Informationen aus zweiter Hand. Doch nichts ersetzt das Gespräch mit Menschen, die sich mit dem Thema auskennen oder davon betroffen sind. So geht ihr am besten vor:

Vorbereitung:

  • Informiert euch über das Thema und – wenn möglich – über euren Gesprächspartner, zum Beispiel im Internet.
  • Überlegt euch, was ihr die Person fragen wollt, und notiert die Fragen.
  • Vereinbart einen Termin. Erklärt dabei, was euch interessiert und für welches Medium ihr recherchiert. Soll später ein Interview abgedruckt werden oder geht es euch nur darum, Informationen zu sammeln? Kündigt auch an, wenn ihr beim Termin ein Foto machen möchtet.
  • Kontrolliert eure Ausstattung: Notizblock und mehrere Stifte, eventuell Diktiergerät und Fotoapparat (bei beidem Akku checken!), Visitenkarte, wenn vorhanden. Nehmt die neueste Ausgabe des brunnen mit.

Gespräch:

  • Stellt euch und brunnen kurz vor und sagt (noch einmal), was ihr mit den Informationen aus dem Gespräch vorhabt.
  • Falls ihr ein Diktiergerät verwenden möchtet, müsst ihr vor dem Anschalten um Erlaubnis fragen. Sicherheitshalber solltet ihr die zentralen Aussagen mitschreiben, falls die Technik nicht mitspielt.
  • Stellt eure Fragen. Orientiert euch dabei an eurem Fragenkatalog, aber bleibt auch flexibel, falls sich das Gespräch in eine andere Richtung entwickelt. So bekommt ihr vielleicht viel spannendere Dinge heraus als vorher gedacht.
  • Vergesst nicht, euren Gesprächspartner nach Vor- und Nachnamen, Alter und Funktion (z. B. Vereinsvorsitzender) zu fragen.
  • Klärt, ob ihr euch bei Rückfragen noch mal melden dürft. Wird ein Interview abgedruckt, ist es üblich, dass der Interviewte den Text vor Veröffentlichung noch einmal vorgelegt bekommt. Fragt nach einer E-Mail-Adresse.
  • Und jetzt noch die Fotos.

Nachbereitung:

  • Fehlen noch Informationen? Gibt es eine andere Seite/Quelle, die ihr berücksichtigen solltet?
  • Wie sind die Fotos geworden? Braucht ihr weitere Aufnahmen?
  • Schreibt den Text möglichst bald nach dem Gespräch, damit die Eindrücke noch frisch sind.
  • Wenn ihr unsicher seid, ob ihr etwas richtig verstanden habt, fragt nach.
  • Lasst den Text von Freunden/Redaktionskollegen gegenlesen.
  • Schickt das Interview zur Freigabe an euren Gesprächspartner.

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Wie gehe ich mit PR-Material um?

Pressemitteilungen, Websites und andere Publikationen von Unternehmen und Organisationen sind wichtige Informationsquellen für Journalisten. Man sollte jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass diese Informationen interessengeleitet sind. Das heißt, dass Journalisten die Informationen nur mit Nennung der Quelle verwenden und bei kontroversen Themen immer auch andere Akteure die Möglichkeit zur Stellungnahme geben sollten.

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Wie schreibe ich verständlich?

Beim journalistischen Schreiben geht es in erster Linie darum, verständlich und anschaulich zu schreiben. Die Leser sollen den Inhalt eines Textes schnell erfassen und verarbeiten können. Die drei wichtigsten Tipps:

1. Kurze Sätze und einfache Wörter

Zählt beim Schreiben mal nach, wie lang eure Sätze sind. Eine Faustregel lautet: Bei mehr als 15 Wörtern pro Satz wird’s für die Leser kompliziert. Fangt am besten für jeden neuen Gedanken, den ihr aufschreiben wollt, auch einen neuen Satz an. Setzt Doppeltpunkte und Gedankenstriche sparsam ein und macht lieber öfter mal einen Punkt.

Ihr neigt beim Schreiben zu komplizierten Formulierungen? Ein Kniff kann helfen: Überlegt, wie ihr die Sache einem Laien erklären würdet und zwar mündlich! Schon verwendet ihr kürzere Sätze und einfachere Wörter. Außerdem meidet ihr auf diese Weise Fachbegriffe und Fremdwörter, die euren Text sonst nur unnötig komplizierter machen würden.

2. Aktiv statt passiv

Vorsicht bei Passivsätzen! Diese lassen sich meist am Verb „werden“ erkennen: wird, wurde, ist geworden usw. Oft verschleiern Passivsätze, wer für eine Handlung verantwortlich ist. „Seitens des Vorstands wurde entschieden, dass in diesem Jahr keine Gehaltserhöhungen gezahlt werden.“ Das klingt so, als wäre niemand direkt zuständig, und auch die Betroffenen bleiben ungenannt. Deutlicher und auch verständlicher ist dieser Satz: „Der Vorstand hat entschieden, dass die Mitarbeiter in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung erhalten werden.“ (Achtung: Hier zeigt „werden“ die Zukunft an und keinen Passivsatz!).

3. Bürokratische Substantive vermeiden

Vorsicht bei Substantiven mit den Endungen „ung“, „heit“, „keit“, „ion“, „ismus“. Sie werden häufig aus Verben gebildet und kennzeichnen einen bürokratischen Schreibstil. Stattdessen lieber die Ungetüme zurück in Verben verwandeln – dann sind sie besser verständlich. Beispiele: „verwenden“ statt „Verwendung“, „gründlich sein“ statt „Gründlichkeit“

Buchtipp:

Wer mehr über verständliches Schreiben lernen möchte, dem seien die Bücher des Journalisten und Sprachkritikers Wolf Schneider empfohlen. Das Bekannteste heißt „Deutsch für Profis“.

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Wie strukturiere ich kurze Texte?

Bei kurzen Artikeln steht meist die Informationsvermittlung im Mittelpunkt. Ihr wollt also zum Beispiel eine Veranstaltung ankündigen oder über ein Ereignis berichten. Meldung oder Nachricht werden diese kurzen Artikel genannt.

Damit der Leser so schnell wie möglich erfährt, worum es geht, werden die Informationen in einer Nachricht nicht chronologisch, sondern in der Reihenfolge ihrer Bedeutung aufgeführt. Am Anfang solltet ihr euch also fragen: Was ist die wichtigste Information? Was würde ich schreiben, wenn ich nur einen Satz zur Verfügung hätte? Schon habt ihr den Anfang eurer Nachricht.

Danach folgen weitere wichtige Fakten, die sich genau wie die Info aus dem ersten Satz in den Antworten auf die so genannten sieben W-Fragen finden lassen. Die Reihenfolge sieht dabei oft so aus:
1. Wer? Was? Wann? Wo?
2. Welche Quelle?
3. Wie? Warum?

Nachrichten sollten leicht von hinten zu kürzen sein, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen. Deshalb stehen die am ehesten verzichtbaren Details am Ende.

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Welche journalistischen Darstellungsformen gibt es?

Als Darstellungsform bezeichnet man im Journalismus die unterschiedlichen Arten von Artikeln. Am wichtigsten ist dabei die Unterscheidung zwischen Darstellungsformen, die der Informationsvermittlung dienen, und kommentierende Darstellungsformen, in denen die Meinungsäußerung im Vordergrund steht. Beides sollte möglichst nicht vermischt werden. Die wichtigsten Darstellungsformen im Überblick:

Informierende Darstellungsformen:

Die Nachricht sollte objektiv aktuelle Sachverhalte darstellen. Sie beantwortet die W-Fragen und darf nicht die persönliche Meinung des Autors beinhalten. Sie ist kurz und schnörkellos und soll klar angeben, worum es geht. Das Wichtigste steht am Anfang. Sehr kurze Nachrichten heißen meistens Meldung, längere Beiträge werden Bericht genannt.

Die Analyse (auch Hintergrundbericht genannt) ordnet Nachrichten in einen größeren Zusammenhang ein. Sie versucht, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, um dem Leser Orientierung zu bieten. Die Analyse ist unparteiisch, der Autor enthält sich seiner persönlichen Meinung.

Das Experteninterview wird primär genutzt, um zu informieren. Der Autor befragt einen Fachmann oder eine Fachfrau, um ein komplexes Thema zu erschließen und Zusammenhänge deutlich zu machen.

Die Anleitung ist keine klassische journalistische Darstellungsform. Servicetexte dieser Art sind jedoch typisch für Medien (Print, Online, TV und Radio). Der Autor erklärt, wie der Leser vorgehen sollte, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, zum Beispiel einen Sonnenbrand zu verhindern, einen neuen Job zu finden oder eine glückliche Beziehung zu führen.

Meinungsäußernde Darstellungsformen:

Der Kommentar bewertet eine aktuelle Nachricht. Der Autor bezieht dazu klar Stellung. Neben der Meinung braucht der Kommentar auch ein Fazit, also eine Schlussfolgerung. Sonderformen des Kommentars sind:

  • Der Leitartikel gibt die Meinung der Redaktion zu einem wichtigen aktuellen Thema wieder. Meist handelt es sich dabei um den ausführlichsten Kommentar in einem Medium. In der Zeitung steht der Leitartikel auf der ersten Seite oder an erster Stelle im Kommentarbereich.
  • Die Kolumne erscheint regelmäßig; die einzelnen Beiträge sind meist vom selben Autor verfasst. Er oder sie erzählt eine Geschichte, die häufig in der Ich-Form verfasst ist. Die Kolumne ist ein Meinungsbeitrag, muss sich aber nicht auf eine Nachricht beziehen.
  • Die Kritik oder Rezension beurteilt ein meist künstlerisches Produkt wie einen Roman, ein Theaterstück oder ein Konzert.

Die Glosse bewertet das aktuelle Geschehen auf eine ironische, teils sarkastische Weise. Sie transportiert eine klare Meinung und läuft in der Regel auf eine Pointe zu.

Erzählende Darstellungsformen:

Die Reportage stellt Personen und Situationen mit erzählenden Stilmitteln (szenische Schilderungen, Vergleiche …) dar. Dabei kann auch die Ich-Form verwendet werden. Im Zentrum steht, was der Beobachter sieht und erlebt; das Publikum soll die Geschehnisse aus der Perspektive des Reporters miterleben können.

Das Feature ist eine Darstellungsform, die ein Thema anhand von Fakten UND konkreten erzählerischen Beispielen behandelt. Sachverhalte werden durch kleine Geschichten, Szenen und Zitate veranschaulicht. Aber: Wie die Nachricht berichtet auch das Feature allein über Tatsachen. Fabulieren und Kommentieren sind nicht erlaubt.

„Der ständige Wechsel zwischen Anschauung und Abstraktion, zwischen Schilderung und Schlussfolgerung kennzeichnet die Darstellungsform Feature. Ein Feature-Schreiber ist deshalb mehr als nur Reporter: Er schildert zwar auch, aber nur zur Illustration dessen, was er darstellen oder erklären will.“
Walther von La Roche: Einführung in den praktischen Journalismus

Das Portrait rückt eine einzelne Person in den Mittelpunkt. Dabei kann es sich um einen prominenten oder unbekannten Menschen handeln. In vielen Fällen hat der Autor mit dem Porträtierten gesprochen, aber es ist auch möglich, ein Porträt auf Basis anderer Quellen zu verfassen.

Das porträtierende Interview dient dazu, eine Person und ihre Sicht auf die Welt näher kennenzulernen.

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Welche Zeitformen nutze ich?

Nachrichten werden überwiegend im Präteritum geschrieben („war“, „sagte“, „konnte“). Ausnahmen bilden unter anderem die Headline, die meistens im Präsens steht („Union einigt sich mit SPD“), sowie der erste Satz der Nachricht.

Wenn über vergangene Ereignisse berichtet wird, steht der Einstiegssatz grundsätzlich im Perfekt. Das Perfekt ist die Zeitform, die ein vergangenes Ereignis in die Gegenwart der Berichterstattung führt. Ein Beispiel: „Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Immobilienmogul Karl Sauer eingeleitet.“ Nicht „leitete … ein“! Ab dem zweiten Satz ist dann meist wieder Präteritum die Zeitform der Wahl.

Wenn die Vorgänge weiter andauern, steht der erste Satz im Präsens. Zum Beispiel: „Im Internet ist ein neues Virus unterwegs.“

Wird im Verlauf der Nachricht über weiter zurückliegende Ereignisse berichtet, muss ins Plusquamperfekt gewechselt werden, wie hier: „… Er hatte sich noch vor einem halben Jahr gegen eine Steuererhöhung ausgesprochen.“

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Was ist bei der Nennung von Zahlen oder Zeitangaben zu beachten?

Mal abgesehen davon, dass Zahlen immer auf Plausibilität geprüft werden sollten, egal aus welcher Quelle sie stammen, sind für die „Verarbeitung“ von Zahlen in journalistischen Texten diese Konventionen zu beachten:

  • Zahlen von eins bis zwölf werden für gewöhnlich ausgeschrieben, ab der Zahl 13 sind Ziffern gängig. Ausnahmen sind zulässig, wenn Zahlen, die eigentlich unterschiedlich behandelt werden müssten, direkt nebeneinanderstehen, zum Beispiel „Kinder von 11 bis 14 Jahren“. Hier würde es den Lesefluss stören, wenn dort „Kinder zwischen elf und 14 Jahren“ stünde.
  • Bei Jahreszahlen ist häufig folgender Fehler zu lesen: „in 2017“. Im Englischen ist diese Formulierung korrekt, im Deutschen aber nicht! Es muss entweder „im Jahr 2017“ oder einfach nur „2017“ heißen. Das „in“ bitte streichen!
  • Die Formulierung „letzte Woche“ oder „letztes Jahr“ mag im mündlichen Sprachgebrauch üblich sein, in journalistischen Texten jedoch wird stattdessen in der Regel „vergangene Woche“ oder „vergangenes Jahr“ geschrieben. Was natürlich nicht ersetzt wird, ist „letztes“ in Formulierungen wie „das letzte Jahr der Weimarer Republik“. Aber hier funktioniert „vergangenes“ auch nicht als Ersatz.
  • Maßangaben werden in journalistischen Texten meistens ausgeschrieben, also nicht „30 cm“, sondern „30 Zentimeter“. Gleiches gilt für „Prozent“, „Kilometer pro Stunde“, „Kilowatt“ etc.

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Was kann ich vom Boulevard-Journalismus lernen?

Die Abo-Zeitung will den Kopf des Lesers erreichen, die Boulevardzeitung den Bauch. Letztere muss jeden Tag neu am Kiosk überzeugen. Nachahmenswert sind die Lesernähe, die klare Sprache und das starke Gewicht von Service und Lebenshilfe. Nicht nachahmenswert sind die sensationelle Darstellung, die teilweise die Menschenwürde verletzt, und die Vorverurteilungen, die für eine gute Schlagzeile in Kauf genommen werden. Beides führt regelmäßig zu Rügen des Presserates.

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Was sollte eine Überschrift können?

Die Überschrift ist das erste, das bei einem Text ins Auge fällt. Sie sollte zwei Dinge erfüllen:

1. Die Überschrift muss deutlich machen, worum es im nachfolgenden Text geht.
2. Die Überschrift soll Lust aufs Weiterlesen machen.

Beides in einer einzigen Zeile zu vereinen, ist nicht so leicht, denn entweder sage ich, was Sache ist, oder ich wecke Interesse, zum Beispiel durch eine abgewandelte Redensart. Häufig nutzen Zeitungsredakteure deshalb neben einer neugierig machenden Hauptzeile eine erklärende Unterzeile. In Magazinen erfüllt der Teaser diese erläuternde Funktion.

Ein paar Beispiele aus der ZEIT:

  • Sie bringen sich um den Schlaf
    Romuald Karmaker porträtiert die hiesige Techno-Szene in seiner Dokumentation „Denk ich an Deutschland in der Nacht“
  • Gesucht: Putzkräfte fürs Netz
    Facebooks Software scheitert am Hass im Internet. Nun sollen Menschen dort aufräumen
  • Wie Guido ist er schon?
    Christian Lindner ist brillant, scharf, schrill – und will die FDP retten. So wie einst Westerwelle

Was beim Texten von Überschriften hilft:

  • Erst den Text schreiben, dann die Überschrift
  • Schlüsselwörter/Zitate aus dem Text aufgreifen
  • Gleichklingendes suchen („Schweigt und verschwindet! – Woher kommt in Russland der Hass gegen Schwule?“)
  • Redewendungen abwandeln („Irre erfolgreich – Wie gestört muss man sein, um Besonderes zu leisten?“)
  • Gegensätze nutzen („Der Killer als Retter“)
  • Ggf. die Artikel weglassen

Was ihr lieber lassen solltet:

  • Lange Wörter
  • Fremdwörter
  • Rätsel
  • Abgenutzte Sprachbilder („Der Bürgermeister gibt grünes Licht für den Tunnelbau“)
  • Übertreibungen (Nichts versprechen, was der Text nicht hält!)
  • Überschrift aus dem letzten Absatz des Textes ziehen (das frustriert die Leser)

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Was gehört in eine Bildunterschrift?

Die Bildunterschrift muss erst einmal erklären, wer oder was auf dem Bild zu sehen ist, und darf nichts behaupten, was auf dem Bild nicht zu sehen ist.

Wenn das Foto mehrere Personen zeigt, müssen alle identifiziert werden, zumindest die prominenten Menschen und die, die im dazugehörigen Text eine Rolle spielen. Bei sehr vielen Personen reichen auch allgemeine Formulierungen wie „Liam Gallagher mit Fans nach dem Konzert in der Mercedes-Benz-Arena“. Der Leser muss auch erfahren, welcher Name zu welchem Gesicht gehört. Das wird in der Regel mit Angaben in Klammern wie „(links)“ gemacht, kann aber auch mit Hilfe von Attributen wie „mit Handtasche“ geschehen.

Neben der Beschreibung des Fotoinhalts ebenso wichtig: Die Bildunterschrift soll zum Lesen des dazugehörigen Artikels animieren. Sie steht dabei im Wechselspiel mit der Überschrift, der Unterzeile sowie eventuell vorhandenen Zwischentiteln. All das prüft der Leser, bevor er mit dem Lesen des Haupttextes beginnt. Deshalb sollte es keine sprachlichen Dopplungen in diesen Textelementen geben.

Die typische Zeitform für Bildunterschriften ist das Präsens.

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Wie kann ich Menschen in meinen Artikel einbinden?

Menschen machen Texte lebendig! Ihr könnt sie auf vielfältige Weise in eure Beiträge einbinden. Ein paar Beispiele:

  • Experten helfen euch dabei, Sachverhalte besser verständlich zu machen und Wissen weiterzugeben. Tipps zur Interviewführung findet ihr hier: Wie organisiere ich ein (Recherche-)Interview?
  • Geht es darum, unterschiedliche Meinungen zu einem Thema darzustellen, zitiert am besten Menschen, die diese Standpunkte vertreten.
  • Sehr spannend ist es, Menschen bei ihrer Arbeit zu begleiten und die Leser so einen Blick in andere Branchen oder Berufszweige werfen zu lassen.
  • Die meisten Menschen haben etwas Interessantes zu erzählen, sei es weil sie ein ungewöhnliches Hobby haben oder weil ihr Lebensweg ungewöhnlich war. Auch ein vermeintlich gewöhnlicher Alltag kann erzählenswerte Geschichten bereithalten. Genau hinschauen lohnt sich!

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Wie zitiere ich jemanden richtig?

Damit der Leser erkennt, dass eine Aussage nicht dem Autor zuzuordnen ist, muss er sie durch direkte und indirekte Rede kenntlich machen:

Direkte Rede im Indikativ:
Sie sagte: „Ich bin verzweifelt.“

Indirekte Rede im Konjunktiv:
Sie sagte, sie sei verzweifelt.

Fortlaufende direkte Rede liest sich im Allgemeinen beschwerlich. Deshalb sollten nur die wichtigsten Aussagen direkt widergegeben werden. Andere wichtige Aussagen stehen im Konjunktiv. Unwichtiges wird weggelassen. Es gilt die Faustregel: Jeder Absatz, der den Inhalt einer Rede wiedergibt, besteht aus einem Satz in direkter Rede und zwei Sätzen in indirekter Rede.

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Wann darf ich Menschen auf Fotos abbilden?

Grundsätzlich darf jeder Mensch selbst bestimmen, ob Fotos von ihm oder ihr veröffentlicht werden dürfen. Deshalb fragt immer nach, wenn ihr eine Veröffentlichung zum Beispiel im brunnen-Magazin plant, ob das der oder dem Abgebildeten recht ist. Bei Kindern müssen die Eltern zustimmen (zur Sicherheit schriftlich).

In bestimmten Fällen dürfen Fotos von Menschen veröffentlicht werden, auch wenn sie nicht ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben haben:

1. Wissen um die mediale Publikation

Das wird zum Beispiel vorausgesetzt, wenn jemand einem Kamerateam ein Interview gibt, oder ein Darsteller (Model, Akrobat, Moderator) im öffentlichen Raum auftritt.

2. Personen der Zeitgeschichte

Die Veröffentlichung von Fotos ist bei Personen der Zeitgeschichte grundsätzlich zulässig, wenn ein Bild veröffentlicht wird, das zu einer Debatte von allgemeinem Interesse beitragen kann. Menschen, die von Amts oder Berufs wegen regelmäßig in der Öffentlichkeit stehen, gelten als Personen der Zeitgeschichte. Dazu zählen zum Beispiel Politiker, Schauspieler, Fernsehmoderatoren und bekannte Sportler. Doch Vorsicht: Auch Prominente haben ein Recht auf Privatsphäre, weshalb nicht jedes Foto veröffentlicht werden darf.

3. Personen als Beiwerk

Die Menschen stehen dabei nicht im Zentrum des Bildmotivs, sind nicht auf den ersten Blick erkennbar und könnten theoretisch auch weggelassen werden, ohne die Bildaussage zu ändern.

4. Gruppenbilder bei einer öffentlichen Versammlung

Wenn Personen in einer Gruppe von mindestens zehn Personen bei einer öffentlichen (!) Versammlung, einem Event oder sonstigen Aufzügen abgebildet werden, ohne dass dabei einzelne Personen in den Fokus gerückt werden.

Öffentlich sind Kongresse, Sportveranstaltungen, Demos, Straßenumzüge und ähnliche Veranstaltungen, die frei für jedermann zugänglich sind. Hier muss ein Besucher damit rechnen, dass Aufnahmen zur Dokumentation und Berichterstattung gemacht werden. Jedoch darf auch hier keine Einzelperson speziell erkennbar sein. (Ein Redner bei einer Veranstaltung darf aber durchaus abgebildet werden, da er für diesen Moment sozusagen eine Person der Zeitgeschichte ist.)

Als nicht öffentlich gelten private Veranstaltungen wie ein Fußballspiel im Stadion, ein Konzert oder eine Theateraufführung im geschlossenen Rahmen. Dabei benötigt der Filmer oder Fotograf eine Genehmigung vom Veranstalter. Als nicht öffentlich gelten auch Reisende in einem Zug, Besucher eines Restaurants oder eines Freibades.

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