Mitmachprojekte/Veranstaltungstipps

Vom Ursprung der Kokosmilch

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Evelyne Leandro (r.) erklärt, wie man brasilianischen Fischeintopf kocht.

Die Brasilianerin Evelyne Leandro lebt im Brunnenviertel, ist aber deutschlandweit als Referentin für globales Lernen unterwegs. Hier erklärt sie, wie jeder am Kochtopf die Welt kennenlernen kann. Die nächste Gelegenheit dazu besteht am 8. April.

Kokosmilch, Palmöl, Fisch, Garnelen und Gemüse – das sind die wichtigsten Zutaten für den brasilianischen Fischeintopf Moqueca. Während die Frauen im Nachbarschaftstreff Freizeiteck in der Graunstraße Zwiebeln schneiden und Reis kochen, erzähle ich, wie man in Brasilien lebt und isst. Oder was die Küche meiner Heimat mit Afrika und Asien zu tun hat. Die Kokosmilch zum Beispiel brachte die frühere Kolonialmacht Portugal von Asien über Afrika nach Brasilien. Die Fakten und Geschichten aus meiner Kultur bringen Würze in den Vormittag. Das ist globales Lernen. Es muss nicht kompliziert sein. Hauptsache ist, dass sich die Teilnehmer ein Bild vom Thema machen, mitdiskutieren können und beim Kochen, Essen, Spielen oder Lesen Spaß haben.

Das Ziel von globalem Lernen ist, globale Zusammenhänge darzustellen und die Länder des Südens und des Nordens einander näherzubringen. Welche Produkte kommen aus Ghana? Warum ist es besser, fair produzierte und fair gehandelte Produkte zu kaufen? Warum isst man in Brasilien Palmöl oder in Afrika Kokosmilch? Was haben wir mit der Armut in Bangladesch zu tun? Solche Fragen können durch globales Lernen beantwortet werden.

In Workshops, Seminaren, Kochkursen, beim Spielen und in Theaterprojekten gewinnen die Teilnehmer neue Perspektiven und Einsichten, denken über die eigene Rolle in der globalisierten Welt nach. Kulturelle Unterschiede zwischen Ländern, nachhaltige Entwicklung und politische Themen wie Armutsbekämpfung, Menschenrechte, Integration und Klimawandel stehen im Mittelpunkt.

Seit vergangenem Jahr arbeite ich deutschlandweit als Referentin für globales Lernen. Ich gehe in Schulen und Weltläden, um über das Leben in Brasilien oder über Armutskrankheiten und nachhaltigen Konsum zu sprechen. Neulich war ich in einer Mädchenschule zu Gast und habe vor über 70 neugierigen Schülerinnen über Armutskrankheiten gesprochen. Denn Dengue-Fieber, Malaria und Lepra gibt es leider immer noch. Davon kann ich aus eigener Erfahrung berichten.

Und genau das ist das Interessante für die Teilnehmer: Die Referenten haben unterschiedliche Erfahrungen in Ländern des Südens gesammelt. Entweder weil sie dort als Entwicklungshelfer und Freiwillige gearbeitet haben oder weil sie dort geboren und aufgewachsen sind. Heute leben, arbeiten oder studieren sie in Deutschland und erzählen von ihren Erfahrungen. Das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit fördert das globale Lernen unter anderem über das Programm Bildung trifft Entwicklung.

Leandro mit einem Tuch aus ihrer Heimat Bahia, Brasilien.

Leandro mit einem Tuch aus ihrer Heimat Bahia, Brasilien.

Die Veranstaltungen werden von Referentinnen und Referenten wie mir in Schulen, Kindergärten, Kirchen, Vereinen, Weltläden, Hochschulen und Seniorenzentren angeboten. Wichtig ist, dass diese entwicklungspolitische Bildung dazu beiträgt, Ausgrenzung zu vermeiden, Vorurteile abzubauen und neue Perspektiven einzunehmen.

Im Brunnenviertel geht die kulinarische Reise um die Welt weiter: Bewohnerinnen stellen im Freizeiteck, Graunstraße 28, regelmäßig Gerichte aus ihren Heimatländern vor und laden zum Kochen ein. Beginn ist immer um 10.30 Uhr. Am 8. April geht es um deutsches Essen, es kocht Elvira Hildegardt. Am 14. Mai stehen Maja Lasic am Kochtopf und kroatisches Essen auf dem Speiseplan.

Text: Evelyne Leandro
Fotos: Ulrike Wronski

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