Historisches

Gestern und heute: Rügener Straße

Die Rügener Straße zwischen Swinemünder Straße und Brunnenstraße um 1920 und im August 2022.

Die Rügener Straße um 1920. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Die Rügener Straße um 1920. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke

Als südwestliche Verlängerung zur Gleimstraße in der nördlichen Rosenthaler Vorstadt erhielt die projektierte Straße 31 am 10. April 1876 den Namen nach der größten deutschen Ostseeinsel. Die Rügener Straße hat eine Länge von rund 310 Meter und wird von der Putbusser Straße gequert. Die ursprüngliche, fast balkonlose gründerzeitliche Bebauung auf den 27 Grundstücken erfolgt fast einheitlich ab Mitte der 1870er Jahre.

Verheerend waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Lediglich fünf Grundstücke und zwei Hofgebäude blieben verschont. Dazu gehörte im Hof der Rügener Straße 5 die Immanuel-Kapelle der Methodisten-Gemeinde, die Mitte der 1970er Jahre auch verschwand.

Weil Flächen zur Freizeitgestaltung für Kinder- und Jugendliche vielerorts fehlten, entstand ab 1. November 1972 im Bezirk Wedding auf einem teilweise abgeräumten Ruinengrundstück in der Putbusser Straße19/Ecke Rügener Straße 21 ein Abenteuerspielplatz durch Hausbesetzende im Kahlschlagsanierungsgebiet. Sehr gut angenommen und vom Bezirksamt Wedding unterstützt, erhielt der Selbsthilfeverein Kinder- und Jugendzentrum „Putte“ im daneben leeren freistehenden Vorderhaus Rügener Straße 20 (Bildmitte) Räumlichkeiten auf drei Etagen. Im September 1973 wurden, als Wohngemeinschaft von 16 Jugendlichen und einem Baby, die noch leeren Räume des dritten und vierten Obergeschosses ungenehmigt bezogen. Um dem Spuk ein Ende zu setzen, wurde unter Vorgabe, dass hier unmittelbar ein Neubau entstehen soll, das Haus unter dem SPD-Bezirksstadtrat für Jugend und Sport Peter Sötje mit Amtshilfe von 250 Polizisten am 4. April 1974 geräumt und alsbald mit der Abrissbirne begonnen. Bis heute befindet sich auf dem Grundstück kein Neubau, da es als Sportplatz der Heinrich-Seidel-Grundschule dient. Die „Putte“ hat sich in der Fabrik Osloer Straße erhalten.

Die Rügener Straße im Jahr 2022. Foto: Ralf Schmiedecke
Die Rügener Straße im Jahr 2022. Foto: Ralf Schmiedecke

Die Rügener Straße mit ihren heute nur noch 18 Neubauten wird in ganzer Länge vom BVG-Kiezbus der Linie 247 befahren und hat an der Swinemünder Straße sogar eine namentliche Haltestelle.

Text: Ralf Schmiedecke, Fotos: Ralf Schmiedecke/Archiv Ralf Schmiedecke

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