Menschen im Kiez

Mitten aus dem Leben

Wenn sich die Mitglieder der Bürgerredaktion an unsere Autorin Monika Puhlemann erinnern, werden sie sicherlich immer zuerst an den weißen Stier im Humboldthain denken. Dass die verschollene Marmorskulptur wiedergefunden wurde, ist Monikas Beitrag und Anstoß im Kiezmagazin zu verdanken. Sollte der Stier hoffentlich wieder seinen Platz im Volkspark finden, wird Monika nicht dabei sein können, denn sie ist im Juli unerwartet gestorben.

Monika Puhlemann vor vier Jahren in der Hussitenstraße. Foto: privat
Monika Puhlemann vor vier Jahren in der Hussitenstraße. Foto: privat

Wir kannten Monika viel zu kurz. Sie ist erst im vergangenen Jahr zur Bürgerredaktion dazu gekommen. Fast immer mit Hut und stets mit einer neuen Idee bereicherte sie unsere Redaktionstreffen und Kiezmagazine. Ihr neues Hobby machte ihr schnell viel Freude: Immer neue interessante Themen brachte sie zu den Redaktionssitzungen mit. Sie portraitierte Frieda Kahle, eine mutige Frau aus dem Kiez, die jüdische Mitmenschen vor den Nazis rettete. Sie schrieb über die Nachtigallen in Berlin, über den Weddinger Maler Wolfgang Niklaus, besondere Gehwegplatten im Viertel, das Mitte Museum in der Pankstraße und natürlich über den weißen Stier. Ihre Texte ergänzte sie manchmal mit selbst gedichteten Zeilen. Auch in diesem Heft gibt es noch einen Beitrag von ihr. Sie hatte ihn vor ihrem plötzlichen Tod fertiggestellt, ihre Tochter hat ihn aus ihrem Nachlass zur Verfügung gestellt.

Monikas Beiträge, ihre fröhliche und aufgeschlossene Art waren für die Bürgerredaktion eine große Bereicherung, ihr Tod war ein Schock. Anfang September ist Monika nun auf dem Französischen Friedhof in der Liesenstraße 7 beerdigt worden. Auch drei Mitglieder der Bürgerredaktion nahmen daran teil, um sich zu verabschieden. Die Familie würdigte ihr Leben bei der Trauerfeier unter anderem mit einer Bilderschau. Diese zeigte ein lebensfrohe und aktive Frau, die mitten im Leben stand. Im Jahr 1950 in Mahlow geboren, wurde sie Finanzkauffrau bei der Interflug, Textilgestalterin, später Gaststättenleiterin. Das war gleich nach der Wende, als Monika mit einer Freundin einen Tag vor der Wiedervereinigung das Café Cinema am Hackeschen Markt eröffnete. Später folgte in der Krausnickstraße das „Anna Koschke“, ein Szenekneipe mit regelmäßigem Hoftheater – benannt nach ihrer Großmutter.

Als Monika Rentnerin wurde, widmete sie sich vor allem ihrer Familie, dem Reisen, der Textilgestaltung und der Lektüre von Theodor Fontane. Auf viele Fotos bei der Trauerfeier war sie auch als naturverbundene Person zu sehen, zum Beispiel in ihrem Kleingarten. Auch das Reisen war ihr wichtig, davon zeugten ebenfalls viele Fotografien. Zuletzt hat sie bei einem Redaktionstreffen von ihrem kürzlichen Schottland-Urlaub erzählt. Die nächsten Ziele hatte sie auch schon im Auge. Dass Monikas Zeit mit 71 Jahren bereits vorbei sein könnte, damit hatte weder sie selbst noch irgendjemand aus der Familie oder dem Freundeskreis gerechnet.

Ich bin mir sicher, Monika hätte uns mit noch vielen spannenden Themenideen fürs Kiezmagazin überrascht! Und wenn ich ihr mal wieder auf der Straße begegnet wäre, als Nachbarin, dann wäre es ein guter und froher Tag gewesen. Ich werde sie vermissen.

Text: Dominique Hensel, Foto: privat

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