Stadtentwicklung

Für die Energiewende im Kiez

Was braucht es, damit die Energiewende im Brunnenviertel gelingt? In einer Simulation der Berliner Hochschule für Technik kann ausprobiert werden, welche Bausteine benötigt werden. Jakob Hensel (13 Jahre) hat am Planspiel teilgenommen.

Die Dächer im Brunnenviertel bieten noch viel Platz für Solaranlagen. Foto: Andrei Schnell
Die Dächer im Brunnenviertel bieten noch viel Platz für Solaranlagen. Foto: Andrei Schnell

Ob wegen der Klimakrise oder der hohen Gaspreise: Das Thema Energie und Energiewende beschäftigt momentan alle. Ich gehöre dabei eher zu denen, die es aus Gründen des Umweltschutzes interessiert. Das war bereits vor der Langen Nacht der Wissenschaften im Sommer der Fall. In der Berliner Hochschule für Technik (BHT) in der Luxemburger Straße nahm ich bei der Langen Nacht an einem Planspiel zu diesem Thema teil, bei welchem die Aufgabe darin bestand, eine imaginäre Stadt mit Strom und Wärme zu versorgen.

Die Energie der Stadt sollte möglichst CO2-neutral und günstig sein sowie vor Ort produziert werden. Bei diesem Planspiel konnte jede Gruppe entscheiden, welche und wie viele Energie- oder Wärmeanlagen für die Versorgung der Kleinstadt am sinnvollsten erscheinen. Die Wissenschaftler der BHT haben den Teilnehmern vorab einige Informationen zum Preis und zur Effizienz der Energieträger gegeben. Anschließend wurden die Daten jeder Gruppe von einem Computer simuliert und ausgewertet.

Meine Gruppe konzentrierte sich auf CO2-Neutralität und Bezahlbarkeit. Wir kauften Windräder und Solaranlagen, vermieden jedoch teure Energie- und Wärmespeicher sowie Wärmepumpen. Bei der anschließenden Auswertung offenbarte sich, dass diese Technologien aber auf lange Sicht umweltverträglicher und sogar günstiger gewesen wären. Wir hatten außerdem unterschätzt, dass viel mehr Energie für Wärme als für Strom benötigt wird, nämlich mehr als dreimal so viel. Ich habe deutlich unterschätzt, wie komplex die Energieversorgung für eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern ist.

Ich habe gelernt, dass das wesentliche Problem bei der Energieversorgung in der Wärmeversorgung liegt. Weil im Sommer durch Solaranlagen deutlich mehr Wärme als im Winter produziert, diese jedoch im Winter benötigt wird, ist es notwendig, Wärme für den Winter zu speichern. Wärme kann aber auch mit der Hilfe von Wärmepumpen aus Strom hergestellt werden. Das ist notwendig, um unabhängig zu sein und keine Energie zukaufen zu müssen.

Übertragen auf das Brunnenviertel, welches die doppelte Einwohnerzahl der imaginären Kleinstadt aus dem Planspiel hat, würde ich nun möglichst viele Photovoltaikanlagen auf den Dächern errichten, um klimaneutralen Strom herzustellen. Außerdem benötigte der Kiez enorm viele Stromspeicher, um Elektrizität für den Winter zu speichern. Wärmepumpen werden gebraucht, um aus diesem Strom Wärme zu erzeugen. In der kalten Jahreszeit können thermischen Solaranlagen und Photovoltaikanlagen an sonnigen Tagen zusätzlich Wärme und Strom erzeugen. Um diese kurzfristig zu speichern, werden neben den Stromspeichern auch Wärmespeicher benötigt. Bei der Energiewende im Brunnenviertel sollte also neben Solarzellen auf dem Dach auch an Platz für Energiespeicher gedacht werden.

Im Brunnenviertel ist der Weg zur Selbstversorgung noch sehr weit. Nur auf einzelnen Dächern sind bisher Solaranlagen zu sehen, obwohl die zahlreichen Wohnhäuser und Schulen mit ihren Sporthallen viel Platz bieten würden. Wenn die Energiewende im Brunnenviertel anfangen soll, müssen jetzt konsequent die ersten Schritte getan werden.

Text: Jakob Hensel, Foto: Andrei Schnell

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