Historisches

Von der Schule zum Museum

Monika Puhlemann hat dem Mitte Museum einen Besuch abgestattet. Hier schreibt sie über die Geschichte des Gebäudes an der Panke und die aktuelle Ausstellung „Gewachsen auf Sand“.

Blick in die Dauerausstellung des Mitte Museums. Foto: Monika Puhlemann

„Berlin ist auf Sand gebaut“ – diese Aussage haben wohl die meisten Menschen hier in der Stadt schon einmal gehört. Trotz des märkischen Sandbodens, aber auch trotz vieler morastiger Sümpfe, wuchs die Stadt im 19. Jahrhundert rasant. Die äußeren Grenzen Berlins wurden unter dem Druck des Bevölkerungswachstums immer weiter gesteckt, sodass im Jahr 1861 auch Wedding und Gesundbrunnen eingemeindet wurden. In dieser Zeit überließ die St.-Pauls-Kirchengemeinde für 240 Taler, 4 Silbergroschen und 8 Pfennige der Stadt das Grundstück an der Pankstraße 47 zum Bau einer Gemeindeschule. Damals war das Gelände mitten im Grünen gelegen mit Blick zur Panke hin.

Nach zwei Jahren Bauzeit konnten ab 1866 die ersten Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden, aber in getrennten Klassenräumen. Und wenn es zur Pause klingelte, strömten die Jungen zum linken Schulhof und die Mädchen zum rechten. Die Bebauung der Pankstraße mit Wohnhäusern neben und gegenüber der Schule begann erst 1880. Mehr als 100 Jahre später endete hier der reguläre Schulunterricht. Eine Berufsschule für Installateure und Schornsteinfeger zog 1986 in das Gebäude ein, allerdings nur für zwei Jahre. Dann wurde die Schule saniert und 1989 konnte dort das Heimatmuseum Wedding eröffnet werden.

Heute ist in dem Gebäude das Mitte Museum zu finden. Ich schaue mir die neue Dauerausstellung „Gewachsen auf Sand“ an, die nach der kürzlichen Komplettsanierung des Museums seit Ende April zu sehen ist. Sie zeigt die Entwicklung des Stadtbezirks Mitte mit seinen Ortsteilen Gesundbrunnen, Hansaviertel, Mitte, Moabit, Tiergarten und Wedding über die letzten 250 Jahre hinweg. Auf dem Weg von Raum zu Raum begleiteten mich interaktive Karten sowie ein plastisches Modell, das den Stadtteil Moabit um 1900 darstellt. Leider fällt mir die Orientierung darauf schwer, weil ich nach Straßennamen und Gebäudebezeichnungen meist vergeblich suche.

Auch vermisse ich einen Bezug zum denkmalgeschützten Schulgebäude sowie dem früheren Lehrbetrieb. Doch wie mir im Museum versichert wird, können Besucherinnen und Besucher spätestens im Dezember 2021 wieder ein historisches Klassenzimmer bewundern. Und insgeheim hoffe ich sehr, irgendwann auch einen Blick in die Wohnung des „Hauptlehrers“ und vielleicht sogar in die Kellerwohnung des „Schuldieners“ werfen zu können. Schön wär’s.

Service

Mitte Museum
Pankstraße 47
Telefon: (030) 46 06 01 90,
Web: www.mittemuseum.de
Öffnungszeiten: Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Text und Fotos: Monika Puhlemann

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