Streifzüge im Kiez

Was ist los im Humboldthain?

Foto: Sulamith Sallmann

Vier persönliche Texte und ein Fotorundblick über unseren Volkspark

Text 1:

Menschen mit Nordic-Walking-Stöcken drehen zu zweit oder dritt ihre Runden. Andere Sportler spielen Frisbee, Federball oder Fußball. Yoga-Fans breiten ihre Matten auf der Wiese aus. Boulespieler sind konzentriert bei der Sache. Gruppen junger Jogger machen nach dem Laufen im Rudel noch gemeinsam Kraftübungen. Das alles geht im Humboldthain. Outdoor-Sportler schätzen die frische Luft und das viele Grün. Für alle ist Platz, alles sortiert sich irgendwie von alleine.

Foto: Sulamith Sallmann

Nachbarn treffen sich zum gemeinsamen Sport, spontan oder regelmäßig, so wie es gerade passt. Vereinssportgruppen nutzen die Parks auch, entweder als Zusatztraining oder als Alternative, weil die Übungszeit in der Sporthalle gerade fehlt. Manche Sportvereine trainieren sogar ausschließlich draußen, das ist eben ihr Konzept. Im Sommer gibt es sogar ein gefördertes Senatsprogramm für „Sport im Park“ (www.sportimpark.berlin).

Dann sind da noch die Trainer, die ihre Übungsstunden gegen eine feste Gebühr oder gegen eine freiwillige Spende anbieten. Einige Trainer bestreiten quasi als Alleinunternehmer ihren Lebensunterhalt davon. Andere sind wirklich ehrenamtlich aktiv, wollen durch die Spenden nur ihre Kosten decken. Die Teilnehmer finden die Gruppen über die sozialen Medien oder über die Weiterempfehlung von Freunden. Die großen Volksparks sollen ja der „Volksgesundheit“ dienen. Ziel erreicht, meine ich. Mein Hashtag: #SportfürAlle

Text: KiezSportLotsin Susanne Bürger


Text 2:

Der Humboldthain ist MEIN Park. Es gibt Momente, da gehört er nur mir. Wenn ich in Altbekanntem Neues entdecke und kleine stille Wunder erlebe. Wie in diesem Sommer.

Foto: Sulamith Sallmann

Endlich wieder Regen. Die vertrockneten Wege saugen fast alles Wasser auf und lassen kaum Pfützen. Der See auf der großen Wiese ist längst verschwunden. Sie wirkt mystisch und niemand wagt, das Gras platt zu drücken. Es tropft von den Blättern am Wegesrand. Sie glänzen vor Feuchtigkeit. Anderntags bin ich mit dem Rad unterwegs, und neben dem Rosengarten lockt mich leuchtendes Gelb. Schon stehe ich vor herrlichen Sonnenblumen, ihre braungelben Köpfe nicken mir zu. Oder sollte ich zu den Weiden schauen und ihren Geschichten lauschen? Die Sonne wirft Schatten auf das Gras, die Wege bedeckt ein hellgelber Teppich aus Lindenblütenstaub.

Das richtige Wetter, der richtige Blick, der richtige Zeitpunkt. Bei meinen Abendrunden hoffe ich, dass auch er mir wieder über den Weg läuft. Neulich erschien das rötlich-graue Tier wie aus dem Nichts. Es trottete lautlos und wie selbstverständlich quer über Wiesen und Wege. War es auf der Jagd? Oder nur scheu? Plötzlich war es wieder weg. Es heißt, Füchse sind schlau. Seitdem bin ich abends auf der Pirsch. Die Wildnis ist vor der Haustür – ich will sie nicht verpassen. Mein kleiner Naturluxus im Kiez. Und ist es nicht der Fuchs, dann torkelt eine Hummel von Blüte zu Blüte oder schwebt gar ein Falke am Himmel. Ich kann auf diese Momente warten.

Text: Corinna Neinaß


Text 3:

Foto: Dominique Hensel

Jedes Jahr werden es mehr. Oder bilde ich mir nur ein, dass immer mehr Menschen den Humboldthain für sich entdecken? Als mein Sohn klein war, waren es manchmal nur fünf Kinder auf dem Spielplatz an der großen Wiese. Jetzt sind es 25, immer. Auf der Wiese tummeln sich viele Menschen auf Slacklines, es wird gegrillt, gepicknickt, gechillt – wie früher nur im Volkspark Friedrichshain oder im Mauerpark. Es gibt Thai Chi, Yoga Fitnessgruppen, Kletterer und vieles mehr. Zwischendrin werden ganz sicher mehr Hunde als früher durch den Park geführt.

Das Sommerbad, das war ja immer schon proppevoll. Aber jetzt ist es auch der Abenteuerspielplatz! Und auf dem Flakturm ist man bei Sonnenuntergang ganz sicher nicht allein, um das Panorama zu genießen. Wenn im Frühjahr die Krokusse auf der Krokuswiese nahe der Wiesenstraße blühen, stehe ich schon lange nicht mehr allein da, um Fotos zu machen. Und auch die ewigen Boulespieler, sind die nicht mehr geworden mit den Jahren? Naja, vielleicht übertreibe ich etwas. Aber klar ist: Viele verbringen ihre Zeit gern unter freiem Himmel im Humboldthain. Gut, es ist deshalb nur selten lauschig und still, aber schön ist es trotzdem – und Platz ist ja eigentlich genug da.

Text: Dominique Hensel


Text 4:

Für Läufer im Brunnenviertel ist der Humboldthain die nahe gelegene Zuflucht. Im Vergleich zu anderen Läuferrevieren wie dem Tiergarten ist der Park zwar nicht riesig, aber eine Runde ist immerhin rund 1,5 Kilometer lang. Mit etwas Ausdauer kommen also auch hier einige Kilometer zusammen. Und die Runden können sehr abwechslungsreich sein. Ein Abstecher durch den Rosengarten, ein kurzes Hügeltraining am Rodelhang oder doch die Bergetappe auf die Aussichtsplattform: Selbst bei einem langen Training wird mir nie langweilig.

Wenn ich es mit den Frühaufstehern in den Park schaffe – das ist bei mir leider nicht oft der Fall – huscht vor mir oft ein Eichhörnchen über den Weg und begleitet mich springend ein paar Schritte. Ich habe es Clemens getauft, aber bei den vielen Joggern und Parkbesuchern hat es bestimmt viele Namen. Gerade im Sommer und am Wochenende sind die Morgenstunden am schönsten: Es ist noch angenehm kühl und nur die Sportler teilen sich die Wege. Trotzdem bin ich meist abends unterwegs. Das bedeutet dann zwar Spaziergänger-Slalom, aber wenn ich es zur richtigen Zeit auf den Bunkerberg schaffe, werde ich dafür mit der tollen Aussicht auf die Stadt im Sonnenuntergang belohnt.

Text: Stefanie Ostertag

Alle Texte und Fotos sind im Kiezmagazin „Eine Spielwiese für alle“ (Ausgabe 3/2019) erschienen.

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