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Auf einen Sprung nach Usedom

Morgenstimmung am Meer.

Die Ostsee ist nicht weit entfernt vom Brunnenviertel. Vom Gesundbrunnen aus fährt der Regionalzug direkt ans Meer. Das ist perfekt für einen Kurzurlaub oder auch für länger. Corinna Neinaß war gerade drei Wochen da und empfiehlt eine App über Usedom.

Endlich habe ich einen Namen für mein Gefühl – ich bin inselverliebt. Von der Swinemünder Brücke sehe ich, wie der RE 3 in Richtung Meer fährt. Dreieinhalb Stunden später wäre ich schon da. Auf Usedom.

Die Insel ist der ideale Ort zum Runterkommen, Abschalten, Akku aufladen. Das Meer habe ich schon immer geliebt und nun kann ich jeden Morgen von meinem Balkon in Kölpinsee erleben, wie die aufgehende Sonne Wasser und Himmel in wunderbare Farben taucht.

Seebrücke Heringsdorf

Am Meer sein heißt für mich: laufen. Über Sand und Steine, mit Blick auf Wellen und Weite. Am liebsten barfuß und auch mal durchs Meerwasser. Vor Stubbenfelde sehe ich, wie die Fischer ihr Boot ins Meer schieben und in der Weite verschwinden. Morgens nach einer Sturmnacht suche ich nach Bernstein – vergeblich.

An den windigen Tagen schützt mich der Küstenwald mit seinen herrlichen Buchen. 58 Meter hoch über dem Meeresspiegel stehe ich auf dem Streckelsberg. Unter mir das einst vom Gletschereis zusammengeschobene Gestein, das allmählich abgetragen wird von den Naturgewalten.

Noch ist es kühl und ich wärme mich mit einem warmen Sanddornsaft in der Riff-Lounge. Hier vor Koserow ist vielleicht die Stadt Vineta in den Fluten des Meeres versunken. Im Sommer wird sie erlöst sein, zumindest auf der Ostseebühne in Zinnowitz. Dieses charmante Seebad hat eine der fünf Seebrücken der Insel. Ich mache Pläne, könnte per Schiff alle fünf Seebrücken ansteuern.

Am nächsten Tag geht’s auf dem Küstenradweg Richtung Kaiserbäder, hoch und runter, endlich ist es geschafft und vor mir liegen zwölf Kilometer Promenade, geteilt in Fuß- und Radweg, bis nach Swinemünde. Auf Deutschlands ältester Seebrücke in Ahlbeck genieße ich einen Kaffee mit Rhabarber-Crumble und träume mit Blick auf die Historische Uhr und die Bäderarchitektur.

Auf der Rückfahrt staune ich nicht schlecht: Mein einstiger Lieblingsmaler hatte sich schon vor über hundert Jahren in die Insel verliebt. Von Heringsdorf aus erkundete er die Insel mit Rennrad und Skizzenblock. Feiningers Mal-​standorte werde ich im Sommer abradeln und stimme mich bereits mit der Papileo-App ein.

Usedom – das ist Natur, Kultur oder Kultur mit Natur. Am besten spüre ich das in Lüttenort. Ich will ja abschalten und verbringe zwei Nachmittage an der schmalsten Stelle der Insel. Der Maler Otto Niemeyer Holstein hat sich hier ein Refugium geschaffen. Er legte sein Boot am Achterwasser an und bewohnte Anfang der 1930er Jahre zunächst einen Gepäckwagen der Reichsbahn, den er im Laufe der Zeit mit Häusern und einem Klostergarten umbaute.

Die Anlage mit dem liebevoll gepflegten Garten, den Skulpturen und der besonderen Architektur ist ein Kunstwerk für sich. Kaum zu glauben, dass hier am Anfang nichts wuchs. Ich überquere die Bahnschienen und die B111 und gehe den Weg zum Strand. Der Maler nahm den Weg jeden Tag, zu seiner „großen Geliebten“.
Meerverliebt, inselverliebt, das Rauschen des Meeres noch im Ohr, stehe ich in Berlin-Gesundbrunnen. Halte meine Sehnsucht wach mit der inselverliebt App.

Die kostenlose inselverliebt-App gibt es im Internet unter www.inselverliebt-usedom.de. Vom Bahnhof Gesundbrunnen fahren der Regionalexpress RE 5 und der RE 3 Richtung Meer. Eine günstige Ticketwahl ist das Ostseeticket. Für 49 Euro kann eine Person damit hin- und zurückfahren.

Text und Fotos: Corinna Neinaß
Der Text ist im Kiezmagazin brunnen, Ausgabe 2/2019 erschienen.

Ostsee mit Streckelsberg

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