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Buntes Treiben an der Panke

Seit einem Jahr gibt es an der Panke auf dem alten Fabrikgelände bei den Uferstudios einen Flohmarkt. Er hat viel Charme und Platz für echtes Kiezgefühl.

Der Flohmarkt am Pankeufer begegnete mir erstmals auf Facebook. Dort macht Christoph Rathenow, der Initiator des Marktes, kräftig Werbung. Er verschickt Einladungen und hält seine Fans auf dem Laufenden. Ich wurde im vergangenen Jahr darauf aufmerksam. Damals war der Markt an dem Standort neu gestartet, zunächst mit nur wenigen Ständen. Bei einem spontanen Besuch verliebte ich mich in den idyllischen Trödelmarkt in einer versteckten Ecke des Wedding zwischen Natur und Subkultur.

Ein Jahr später hat die Facebookseite des Kiezflohmarkt schon mehr als 1800 Fans. Am 7. April startete er nun in seine zweite Saison, getreu dem Motto: Schlendern, Schauen, Schnabulieren. Für mich war der Saisonauftakt zum Frühlingsanfang die ideale Gelegenheit, zu Hause mal richtig auszumisten. Es kam viel zusammen: Bücher, DVDs, Klamotten, Schuhe, Schmuck und sonstiger Kram. Der Rollkoffer war bis oben voll, als ich Richtung Panke aufbrach.

Gegen 10 Uhr trudelte ich ein und eines war ganz offensichtlich: Der Markt ist kräftig gewachsen. Etwa 50 Stände waren belegt, gut gelaunte Grüppchen sammelten sich dahinter. Zusammen mit anderen macht das Verkaufen auch einfach mehr Spaß und man kann sich die Standkosten teilen. Der Markt füllte sich schnell weiter mit Privatverkäufern, die ihre eigenen Tische mitbrachten oder die Ware einfach auf dem Boden ausbreiteten.

Christoph zeigte mir meinen Stand und ich begann, meine Verkaufsware auszulegen. Meine Standnachbarin Leyla kaufte mir gleich das erste Buch ab. Sie selbst verkaufte hauptsächlich Kinderklamotten und Spielzeug, denn bei ihren sechs Kids gibt es immer etwas auszusortieren. Der schnelle Verkauf motivierte. Ein Euro
klingelte in meiner Kasse. Meine Preisstrategie für diesen Markttag war, günstig anzubieten, damit ich so wenig wie möglich wieder mit nach Hause schleppen muss.

In der Mittagszeit füllte sich der Markt. Es herrschte ein buntes Treiben an der Panke, man kam ins Gespräch, die Stimmung war gut und das Wetter war schön. Im Angebot waren hauptsächlich Klamotten und Accessoires, hier und da fand sich Kunsthandwerk wie ich bei einem Rundgang am Nachmittag feststellte. Leyla passte solange auf meinen Stand auf und ihr Sohn hatte sogar eins von meinen Büchern verkauft, als ich zurückkam.

Eine Live-Band spielte auf, vor dem Eisstand bildete sich eine Schlange. Zwischenzeitlich füllte sich meine Kasse weiter. Wir beobachteten die Marktbesucher und Leyla meinte, es seien überwiegend Einheimische, Studenten und junge Leute mit wenig Geld. Das liegt eventuell auch an der Werbestrategie des Marktbetreibers. So fragte mich ein älterer Herr, ob es den Markt schon länger gebe. Er habe ihn gerade zufällig beim Vorbeifahren entdeckt und finde es super hier. Ich erklärte, dass der Markt vor allem in den sozialen Medien beworben wird. Seine Tochter lachte und sagte, da sei er nicht unterwegs.

Udo schaute vorbei. Er ist seit dem vergangenen Jahr Stammverkäufer an der Panke. „Ich hab keine Erwartungen, es läuft mal so oder so… Reich wird man hier nicht“, sagt er. Das kann ich bestätigen. Am späten Nachmittag habe ich 25 Dinge verkauft und rund 30 Euro eingenommen. Die Bücher brachten etwa die Hälfte der Einnahmen. Zahlungskräftige Touristen kamen nicht vorbei. Es wurde gestöbert, überlegt, verhandelt; Schnäppchenjäger waren in der Überzahl. Bei meinen Angeboten ging es meist um ein bis vier Euro. Es spricht meiner Meinung nach aber auch für die Kundschaft, sich genau zu überlegen, ob das Gekaufte auch einen nachhaltigen Nutzen bringt.

Am Ende des Tages hat es mir viel Spaß gemacht, ein Teil von einem so familiären, quirligen Treiben gewesen zu sein. Der Flohmarkt am Pankeufer ist ein echter Kieztrödelmarkt ohne viel Kommerz. Für mich ist er ein Höhepunkt im Wedding und ich werde ihn fleißig weiterempfehlen. So viel Charme findet sich auf keinem zweiten Markt.

Ich zog meinen Trolley Richtung U-Bahnstation. Er war am Ende erheblich leichter. Ich freute mich auf einen gemütlichen Couchabend. Beim Tatort und einem Bierchen die Füße hochzulegen, das hab ich mir für heute verdient, dachte ich, als ich die Treppen zur U-Bahn hinunterstieg.

Flohmarkt am Pankeufer, sonntags 11–19 Uhr, Uferstraße 1, U-Bahnhof Pankstraße (U8), Web: www.flohmarkt.pankeufer.de, Stand-Hotline: (0160) 90 45 95 43

Für Verkäufer: überdachter 3-Meter-Stand (mit Voranmeldung!): 24 Euro, eigener Tisch: 4 Euro/laufender Meter ohne Voranmeldung, wichtig: Sitzmöglichkeit mitbringen

Text und Fotos: Ulrike Peter
Der Text ist im Kiezmagazin brunnen, Ausgabe 2/2019 erschienen.

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