Bildung

Summ, summ, summ

Imker auf dem Schuldach. Foto: ERO/Bienen-AG

Imker auf dem Schuldach. Foto: ERO/Bienen-AG

… Bienchen, summ herum! Damit es so bleibt, braucht es umsichtige Gärtner und fleißige Imker. In der Bienen-AG an der Ernst-Reuter-Oberschule lernen Schüler mehr über Haltung und Zucht der Insekten.

Bienen am Ausflugloch. Foto: ERO, Bienen-AG

Bienen am Ausflugloch. Foto: ERO, Bienen-AG

Wer glaubt, dass Bienen jetzt Winterschlaf halten, irrt. Zwar sind sie gerade nicht unterwegs, aber in den Bienenstöcken summt es, auch in den vier Stöcken auf dem Dach der Ernst-Reuter-Oberschule hier im Kiez. Klaus Thiele, seit 2012 Werkstattleiter an der Schule und jetzt auch verantwortlich für die Bienen-AG, erklärt mir, dass sie im Moment eine Winterkugel bilden, in deren Mitte sich die Königin befindet. Die Bienen schlagen mit den Flügeln und sorgen so für eine nahezu konstante Temperatur. Je nachdem wie kalt der Winter ist, muss der Imker Zuckerwasser zufüttern, damit die Bienen genug Energie haben.

Im umfangreich ausgestatteten Werkstattraum der Bienen-AG duftet es intensiv nach Honigwachs. Hier findet derzeit die Winterarbeit der Imker statt: Rahmen reparieren und reinigen, Drähte spannen, Wachsplatten einlegen… Mit dem Schülernachwuchs gibt es im Moment einige Probleme. Klaus Thiele hofft, dass nach den Winterferien genügend Schüler zusammenkommen, denn Ende April beginnt die Schwarmzeit der Bienen und damit die arbeitsintensivste Zeit des Imkers. Aber auch davor und danach ist viel zu tun: regelmäßige Inspektion und Behandlung von Krankheiten, Überprüfen der Volksstärken, Königinnenaufzucht und einiges mehr. Viele Hobbyimker unterschätzen den Aufwand.

Ein Rahmen mit Bienenwaben. Foto: Beate Heyne

Ein Rahmen mit Bienenwaben. Foto: Beate Heyne

Während für Wildbienen und Insekten Pestizide und Monokulturen die Hauptursachen für den Rückgang der Populationen darstellen, setzt der Honigbiene neben den Varroamilben die sogenannte Amerikanische Faulbrut zu, eine weltweit auftretende und in Deutschland meldepflichtige Seuche. Sie zerstört die Brut. Betroffene Stöcke müssen vernichtet werden.

Wer also in der Stadt Bienen halten will, sollte einen entsprechenden Lehrgang besuchen und sich zu Beginn einen Imkerpaten zur Seite nehmen. Das Institut für Veterinär-Biochemie der FU Berlin bietet zusammen mit dem Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. kostenlose Imkerkurse an. Als kompetentes Fachgeschäft empfiehlt Klaus Thiele das Imkergeschäft Jesse in der Torstraße 18 in Berlin-Mitte. Ebenso lege er jedem Imker dringend die Mitgliedschaft im Imkerverein Berlin e. V. ans Herz.

Aber auch als Nicht-Imker können wir Stadtbewohner einen Betrag dazu leisten, dass unsere Honigbienen und andere Insekten Lebensräume finden. Bepflanzen Sie Ihre Balkone und Beete mit Blumen, die besonders für Bienen geeignet sind, und stellen Sie Behausungen für Wildbienen und andere Insekten auf. Ratgeber dafür gibt es genügend. Verzichten Sie völlig auf den Einsatz von Laubbläsern, denn viele Wildbienen sind Erdbewohner.

Biene an einer Glockenblume. Foto: Beate Heyne

Biene an einer Glockenblume. Foto: Beate Heyne

Ich frage Klaus Thiele noch, ob der heiße Sommer im vergangenen Jahr ein Problem für die Bienen war, und erfahre, dass ihnen nicht die Hitze, sondern die dadurch verkürzte Blütezeit zugesetzt hat. Die Bienen hatten deshalb Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche. Aber sie wussten sich zu helfen und begannen, Honigtau zu sammeln, ein zuckerhaltiges Ausscheidungsprodukt etwa von Blattläusen. Und noch ein Phänomen sei erwähnt: Beim ersten Ausschwärmen im Jahr fixieren sich die Sammlerinnen auf eine Blüte und nur diese wird konsequent abgesucht. So kann es sein, dass bei zwei nebeneinander stehenden Stöcken zwei völlig unterschiedliche Honigsorten geerntet werden.

Nach all dem, was mir Klaus Thiele erzählt hat und was ich im Zuge meiner Recherchen gelesen habe, weiß ich: Würde ich noch einmal zur Schule gehen, ich würde Mitglied der Bienen-AG werden!

Text: Beate Heyne
Der Text ist im Kiezmagazin, Ausgabe 1/2019 erschienen

Knospen der Kornellkirsche. Der Baum ist einer der ersten, der Frühling blüht und Nahrung für die Bienen bietet. Foto: Beate Heyne

Knospen der Kornellkirsche. Der Baum ist einer der ersten, der Frühling blüht und Nahrung für die Bienen bietet. Foto: Beate Heyne

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