Menschen im Kiez

Der Mann für (fast) alle Fälle

Seit 2012 wählen die Mieter der Degewo stadtweit den Hausmeister des Jahres. 2018 trägt Frank Marten diesen Titel. Seit 13 Jahren ist er Hausmeister im Brunnenviertel.

Mehr als 75.000 Wohnungen bewirtschaftet die Degewo in Berlin. Diese werden von insgesamt 204 Hausmeistern betreut, die beim Degewo-Gebäudeservice beschäftigt sind. Seit sieben Jahren wird der Hausmeister des Jahres von den Mietern gewählt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Frank Marten, einen der zwölf Kollegen, die im Bereich der Degewo Nord ihren Dienst tun.

Es geht weiter: Das Telefon klingelt, ein Mieter ruft Hausmeister Frank Marten an. Fotos (3): Beate Heyne

An einem Montagvormittag Ende Oktober habe ich mich Ecke Jasmunder und Usdeomer Straße mit dem Hausmeister des Jahres verabredet. Ich treffe auf einen freundlichen Mann mit aufmerksamem Blick und offenem Lachen. Während wir uns unterhalten, laufen wir durch seinen Kiez. Insgesamt 38 Hausaufgänge in der Usedomer Straße, Jasmunder Straße, Hussitenstraße und zwei Seniorenhäuser in der Ackerstraße mit etwa 380 Wohnungen sind es, die Frank Marten zu betreuen hat, Umfeld inklusive.

Das erste, was ich erfahre: Der Hausmeister heißt heute Hausbetreuer. Er und seine Kollegen führen nur noch Kleinreparaturen aus. Der Hausbetreuer von heute ist mit einem iPad ausgestattet und checkt bei Arbeitsbeginn jeden Morgen um 7 Uhr die eingegangenen Mängelanzeigen und E-Mails. Dann beginnt das Organisieren und Koordinieren, gefolgt vom täglichen Rundgang durch die Objekte. Hier und da legt er Hand an, räumt auf, weist die mit Arbeiten beauftragten Firmen ein, kontrolliert die Ausführung. Zieht ein Mieter aus, koordiniert er die Abnahme. Im Winter kontrolliert er den Schneedienst, nimmt hier und da auch mal selbst schnell den Besen in die Hand. Verkehrssicherungspflicht ist das Wort, das ihn dabei antreibt.

Früher war Frank Marten als Schlosser tätig. Als seine Firma aufgelöst wurde, bewarb er sich bei der Degewo auf eine Hausmeisterstelle. Das war 2005. Seit 13 Jahren ist er jetzt dabei. Ob sich der Kiez in der Zeit sehr verändert hat, frage ich. Er muss nicht lange überlegen und erzählt, dass das Viertel sich positiv verändert habe, dass es insgesamt viel sauberer geworden sei, auch wenn Müll und Sperrmüll nach wie vor ein Pro­blem seien. Dabei zeigt er mir einen Hofdurchgang in der Usedomer Straße, in dem er bei seinem heutigen Rundgang unerlaubt abgestellten Sperrmüll entdeckt hat. „… und dabei gibt es doch im Hof einen Abstellplatz dafür“, sagt er. Ärgern ihn solche Probleme? „Da wird man mit der Zeit ruhiger,“ entgegnet er.

Ein Sperrmüllhaufen in einem Durchgang in der Usedomer Straße. Hier wurde Müll illegal abgestellt.

Wir sind bei unserem Gespräch an einer Straßenecke stehen geblieben. Ein Mann steuert gezielt auf ihn zu: „Herr Marten, wir haben in unserem Keller ein Problem …“ Während der Mieter schildert, hört Herr Marten ruhig und aufmerksam zu. Ich merke bei dieser kurzen Begegnung: Die Mieter kennen ihn, und seine Arbeit macht ihm Spaß. Es ist die Mischung aus Unterwegssein, Organisieren und selbst Hand anlegen. Er trägt die Verantwortung dafür, dass alles gut läuft. Er nimmt sich auch die Zeit für einen kleinen Smalltalk auf der Straße. Kontaktfreudig zu sein sei „ganz wichtig in diesem Beruf“, sagt er.

Ich habe Herrn Marten im Gespräch als sehr offen und kompetent erlebt. Ich kann mir gut vorstellen, weshalb er zum Hausmeister des Jahres 2018 gewählt wurde, und ich freue mich, einen weiteren Menschen kennengelernt zu haben, der das Gesicht des Kiezes prägt. Während wir uns verabschieden, klingelt schon wieder sein Telefon – der nächste Einsatz ruft den Mann für (fast) alle Fälle.

Die Telefonnummern der jeweils zuständigen Degewo-Hausmeister sind in den Hausfluren ausgehängt. Darüber hinaus gibt es einen Hausmeisterbriefkasten in der Swinemünder Straße 38.

Text und Fotos: Beate Heyne
Der Text ist erschienen im Kiezmagazin, Ausgabe Dezember 2018.

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