Streifzüge im Kiez

Ein Pavillon im Niemandsland

Hier soll der Pavillon entstehen. Beim Garteneinsatz im April arbeiteten mit (v.l.n.r.): Spendenkoordinatorin Ortrud Hamann, Pfarrer Thomas Jeutner und der leitende Gärtner Bernd Schumann. Foto: Michael Becker

Ein Gartenprojekt befindet sich auf der Grenze zum Brunnenviertel an einem historisch interessanten Ort. In diesem Jahr soll der Garten durch einen Pavillon wachsen.

Er liegt etwas versteckt, der Garten mit dem sonderbaren Namen Niemandsland. Er befindet sich ganz zentral auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße, aber der Blick auf dieses Fleckchen Erde wird durch die Kapelle der Versöhnung versperrt. Eingebettet in einer Vertiefung sieht man ihn erst nach Umrundung des Kapellenovals. Die bemalte Mauer gegenüber verweist auf seine Geschichte:

Als Teil des Elisabethfriedhofes war die Fläche zu Mauerzeiten von 1961 bis 1989 Bestandteil der Grenzanlagen. Nach dem Mauerfall verwilderte sie, war eine Brache. Erst 2016 wurde auf Anregung der Kirchgemeinden Versöhnung und Am Weinberg ein Gemeinschaftsgarten angelegt. Er sollte auch von Anwohnern genutzt werden. Anfängliche Befürchtungen über mangelndes Interesse wurden schnell ausgeräumt. Mit viel Elan wurden die fantasievollen Strukturen der Beete aus verbliebenen Ziegelsteinen und Baumresten gestaltet. Sie trugen Schildchen mit Namen der Umgebung wie Arkonaplatz, Mauerpark, Weinberg, Nordbahnhof.

Bernd Schumann, anleitender Obstbauer, sagt: „Gärtnern hat viel mit Identität zu tun. Man verbindet Persönliches mit der Auswahl der Pflanzen“. Auch Pfarrer Thomas Jeutner greift gern zum Spaten. Seine Kapelle will mit ihrer Botschaft der Versöhnung auf die Menschen zugehen. Das geschieht auch mit Kultur: Am 8. Juli fand ab 10 Uhr im Garten ein Chorkonzert statt.

Das wichtigste Vorhaben für dieses Jahr im Gemeinschaftsgarten aber ist der Bau eines Pavillons aus einheimischer Douglasie. Er soll Raum für Versammlungen, für Gartengeräte und eine Kompostiertoilette bieten. Der Baustil soll der Verkleidung der Kapelle entsprechen. Als Auflage des Denkmalschutzes war bei der Planung die Höhe der Hinterlandmauer und eine Flächenbegrenzung auf 24 Quadratmeter zu berücksichtigen. Ein Glücksfall für das Niemandsland: Den Entwurf fertigte ein Architekt vom Gemeinschaftsgarten Mauergarten im benachbarten Mauerpark ehrenamtlich. Das Gartenprojekt freut sich über Spenden für das Baumaterial.

Mehr Infos: www.versoehnungskapelle.de

Text und Foto: Michael Becker
Der Text erschien zuerst im gedruckten Kiezmagazin „Für den Sommer!“, Ausgabe 2/2018

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