Mitmachprojekte/Stadtentwicklung

Engagement – nein danke!?

Ein Schild an der Fläche erklärt, warum hier nicht gegärtnert werden darf. Fotos: gruppe F

Ein Schild an der Fläche erklärt, warum hier nicht gegärtnert werden darf. Fotos: gruppe F

Ein neuer Garten für alle entsteht, mitten im Kiez, die Anwohner engagieren sich, Fördermittel stehen bereit – alles könnte so schön sein. Doch plötzlich zieht das Amt sein Einverständnis zurück.

Schon lange ist der verwahrloste Mittelstreifen der Stralsunder Straße zwischen Brunnenstraße und Vinetaplatz ein Ärgernis. Regelmäßig werden hier Hausmüll, ausgediente Möbel und Matratzen sowie Bauschutt entsorgt. Umso erfreulicher, dass eine Anwohnerinitiative an dieser Stelle einen Gemeinschaftsgarten anlegen möchte. Spontan habe ich mich mit etwa 20 Nachbarn dazu bereit erklärt, an solch einem Inselprojekt, das erfahrungsgemäß einen Sauberkeitseffekt auch auf die erweiterte Umgebung hat, mitzuwirken.

So sieht's aus. Auf der Fläche des geplanten Gemeinschaftsgartens liegt Müll herum. Fotos: gruppe F

So sieht’s aus. Auf der Fläche des geplanten Gemeinschaftsgartens liegt Müll herum. Fotos: gruppe F

Nach zunächst vielversprechender Kooperation hat das Straßen- und Grünflächenamt Mitte die Anlage eines Gartens dann jedoch abgelehnt. Eine Begründung: Die Fläche würde mit dem Gartenprojekt dem Gemeingebrauch entzogen. Es war und ist jedoch keineswegs beabsichtigt, einen für die Öffentlichkeit unzugänglichen Bereich zu schaffen. Auch das Argument, dieser ­Abschnitt der Stralsunder Straße sei eine Verkehrsfläche, weswegen der Anbau von essbaren Pflanzen nicht erlaubt ist, kann nicht gelten. Denn es muss ja kein Gemüse sein! Stattdessen könnten beispielsweise Blumen und Sträucher angepflanzt werden, und sei es auch nur für eine befristete Zeit.

Das Amt ist jedoch zu keinerlei Kompromissen bereit und beharrt auf seiner Entscheidung. Diese ist für mich absolut unverständlich, weil sich hier Bürger uneigennützig und nichtkommer-
ziell für ihren Kiez engagieren wollen. Außerdem ist insbesondere an dieser Fläche offensichtlich, dass Bezirk und Berliner Stadtreinigung (BSR) damit überfordert sind, der zunehmenden Vermüllung im Brunnenviertel Herr zu werden.

Besonders befremdlich ist die Tatsache, dass ausgerechnet eine grüne Stadträtin die Ablehnung verantwortet. Sie ist Mitglied einer Partei, die sich Umwelt und Bürgerbeteiligung groß auf die Fahnen geschrieben hat. Dem Gemeinschaftsgarten Stralsunder Straße doch noch eine Chance zu geben, wäre eine gute Gelegenheit, Worten Taten folgen zu lassen.

Text: Alexander Dowe
Der Beitrag ist zuerst in der gedruckten Ausgabe des Kiezmagazins „Für den Sommer!“, Ausgabe 2/2018, erschienen.

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