Historisches

Von Gassenmeistern und Spritzenmännern

Schon sehr lange werden Gehwege und Straßen regelmäßig gereinigt. Die Geburtsstunde der heutigen Stadtreinigung war jedoch erst vor 143 Jahren. Ein kurzer Abriss über die Geschichte der Stadtreinigung in Berlin und im Brunnenviertel.

Bereits 1587 wurde unter dem brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg in einer Urkunde eine Regelung zur Straßenreinigung in Berlin erwähnt. Seinerzeit gehörte diese Aufgabe noch zu den Pflichten eines Scharfrichters, der die Sauberhaltung durch die Bürger unter drakonischer Strafandrohung überwachte. Später wurden Gassenmeister mit der Aufgabe betraut. Besonders die Abwasserzuläufe waren regelmäßig zu reinigen, damit größere Überschwemmungen vermieden wurden. Die häufig auftretenden Epidemien mit meist mehreren tausend Toten konnten so eingedämmt werden.

Müllfahrzeuge im Betriebshof Malmöer Straße warten auf ihren Einsatz. Foto: Beate Heyne

Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm wuchs Berlin zum politischen und kulturellen Zentrum der Hohenzollernfürsten und seit 1701 des Königreichs Preußen heran. Die wachsende Bevölkerung in Berlin erforderte neue Reglungen, die in einer neuen Polizeiverordnung umgesetzt wurden. Aus Kostengründen legte man 1851 die Feuerwehr und die Straßenreinigung zusammen. Die Spritzenmänner arbeiteten zudem als Straßenkehrer. Um 1830 wurden unter anderem die Gebiete nördlich des Oranienburger- und Spandauer Tors in Berlin eingemeindet. Die beiden ehemaligen Vorstädte bilden zwischen Bernauer Straße und Bahnhof Gesundbrunnen das Brunnenviertel.

Da der Müll seinerzeit achtlos in die Landschaft gekippt wurde, legte die Stadt 1887 drei Gemeindemüllplätze unter anderem an der Müllerstraße (heute Schillerpark) an.

Ab 1871 war Berlin deutsche Reichshauptstadt. Am 1. Oktober 1875 wurde durch allerhöchste Kabinettsorder unter seiner Königlichen Hoheit Wilhelm I. die Straßenreinigung ein eigenständiger Zweig der kommunalen Selbstverwaltung. Dies war die Geburtsstunde der Berliner Stadtreinigung, wie wir sie heute noch kennen.

Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 entstand über Nacht eine Metropole mit 3,9 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 878 Quadratkilometern. Schlagartig war Berlin nach New York und London die drittgrößte Stadt der Welt geworden. Bis Ende der 1920er-Jahre fusionierten die bisherigen Reinigungsbetriebe der bis dahin selbstständigen Städte sowie der Landgemeinden vom Zweckverband mit der Kernstadt Berlin zu einem einheitlichen kommunalen Unternehmen.

Mit enormem manuellen und auch technischen Aufwand wird nun die Stadtreinigung in der Millionenstadt Berlin durchgeführt. Die drei Bilder zeigen eindrucksvoll, wie die kräftezehrenden Arbeiten am Anfang des 20. Jahrhunderts erledigt wurden. Seit 1951 gibt es die Berliner Stadtreinigung – so wie wir sie kennen. Sie ist heute auch im Brunnenviertel präsent.

Interessanter Link

Seite des Saubere Zeiten e. V. über die Geschichte der Straßenreinigung in Berlin: www.saubere-zeiten.berlin

Text: Ralf Schmiedecke, Foto: Beate Heyne

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