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Alles in eine Tonne ist teurer

Welcher Müll gehört in welche Tonne? An dieser Frage scheitern im Brunnenviertel einige. Das hat der größte Vermieter im Stadtteil in den vergangenen Jahren festgestellt. Andrei Schnell und Evelyne Leandro kamen darüber mit Jörn Richters und Nesrin Demir von der Degewo ins Gespräch.

Weil die Mülltrennung ein Problem ist, hat die Wohnungsbaugesellschaft bereits mehrere Broschüren gedruckt und unter ihren Mietern verteilt. Darin wird die Mülltrennung erklärt. Trotzdem bleibt am Ende aber die Erkenntnis, dass es den Mietern schwerfällt, die richtige Tonne auszuwählen. Dabei würden sie viel Geld sparen, wenn wirklich nur Restmüll in der schwarze Tonne, die für den Haushaltsmüll da ist, landen würde.

„Die Degewo als Vermieter könnte sich auf die Position zurückziehen, dass es eben die Mieter selbst sind, die diese Kosten verursachen“, sagt Jörn Richters, Leiter des Kundenzentrums Nord der Degewo. Richters nennt Zahlen: Im Jahr 2009 kostete die Müllabholung die Mieter im Brunnenviertel 23 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat. Das entspricht etwa 20 Euro pro Haushalt. „Im berlinweiten Vergleich sind das hohe Werte innerhalb der Degewo“, erklärt Jörn Richters.

Kiezredakteurin Evelyne Leandro (rechts) im Gespräch mit Nesrin Demir und Jörn Richters von der Degewo. Kiezredakteurin Evelyne Leandro (rechts) im Gespräch mit Nesrin Demir und Jörn Richters von der Degewo. Foto: A. Schnell

Um die Kosten für die Mieter zu senken, hat das landeseigene Wohnungsunternehmen bereits 2012 die sogenannten Müllwerker des Entsorgungsunternehmens Alba beauftragt. Die Müllwerker kümmern sich seitdem um die Müllplätze und sortieren teilweise nach, was in den Tonnen gelandet ist. Abfall-Management nennt das Recycling-Unternehmen diesen Service. Dabei werden Müllplätze „ganzheitlich analysiert“ und die „abfallbedingten Betriebskosten“ gesenkt. Und nicht zuletzt soll dadurch die Mieterzufriedenheit erhöht werden. So ist es auf der Webseite von Alba nachzulesen. Obwohl dieser Service etwas kostet, erklärt Jörn Richters, sanken die Müllkosten, die über die Betriebskosten bezahlt werden, für die Mieter im Brunnenviertel unterm Strich auf 14 Cent pro Monat und Quadratmeter. Die Möglichkeiten zum Sparen durch richtiges Trennen sind also erheblich.

Einige Nachbarn wenden an dieser Stelle gern ein, dass die Tonnen oft voll seien und der Müll deshalb in die falsche Tonne geworfen werden müsse. Dem widerspricht Jörn Richters: „Natürlich kann es zu Weihnachten auch mal zu besonders vollen Tonnen kommen. Aber übers Jahr gesehen achten wir darauf, dass genügend Tonnen vorhanden sind.“ Beliebig viele Tonnen könnten allerdings nicht aufgestellt werden. „Dazu muss man wissen, dass jede zusätzliche Tonne, die dann bloß halbvoll ist, natürlich auch wieder Kosten verursacht“, sagt der Leiter des Kundenzentrums in der Brunnenstraße. Dazu kommt: Aufmerksame Nachbarn beobachten, dass manchmal nicht die vollen Tonnen das Problem sind, sondern die wenigen Meter zur nächsten Tonne, die halbleer ist.

Auch wenn alles korrekt entsorgt werden würde, sind Müllplätze nicht unbedingt die schönsten Orte. Daher stellt sich die Frage, wo nach Ansicht der Degewo eigentlich der beste Platz für die nötigen Mülltonnen ist. „Möglichst weit weg von Fenstern bei möglichst kurzen Wegen für die Mieter und möglichst dicht an der Stelle, wo der Müllwagen hält“, beschreibt Jörn Richters die Anforderungen, die bei der Standortwahl unter einen Hut zu bekommen sind. „Grundsätzlich wäre es natürlich am besten, die Tonnen stünden im Haus, weil sie dann nicht zu sehen sind“, ergänzt er noch. Der nötige Platz ist aber nicht überall vorhanden.

Was aber können Mieter tun, wenn der Müllplatz durch überlaufende Tonnen verdreckt ist? Jörn Richters Rat: „Sprechen Sie freundlich den Hausmeister an!“ Noch besser sei es, den Nachbarn, der seinen Beutel vor oder neben die Tonne gestellt hat, höflich anzusprechen. „In einem nachbarschaftlichen Ton kann vieles geklärt werden“, weiß Jörn Richters. Denn am Ende haben ja alle Mieter etwas davon, wenn die Entsorgung des Mülls gut klappt.

Interview: Andrei Schnell und Evelyne Leandro, Fotos: Dominique Hensel, Andrei Schnell

Ein Kommentar zu “Alles in eine Tonne ist teurer

  1. Auch wenn ich noch so freundlich, einen Nachbarn anspreche – die Antwort wird doch immer patzig und aggressiv. Und wenn die Müllräume und die Tonnen sauberer wäre denke ich dass, manch einer vielleicht doch eher den Müll richtig trennen würde. Unser Müllerraum ist so ekelig, dass ich die Nase gerne zumache wenn ich die Tür auf – und ganz schnell wieder zumache. Dass die Pflegedienste manchmal lange Wege und wenig Zeit haben, das wissen wir – daher landen die Tüten von den Pflegebedürftigen manchmal im Gebüsch, manchmal in irgendeiner Tonne, die gerade draußen steht und auf Abholung wartet – egal welche. Es gibt viel zu tun – packen wir es an!!

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