Redaktion/Streifzüge im Kiez

Unterwegs mit Team Orange

Drei fleißige Männer der BSR, unterwegs im Kiez (v.l.n.r.): Steffen Schmiel, Sirko Farken, Thomas Bahrenberg.

Die Autorin hat eine Tourenmannschaft der Müllabfuhr durch den Kiez begleitet. Ein Erlebnisbericht.

Aus dem Stadtbild sind sie nicht wegzudenken. Dreihundert Wagen stark ist die Müllfahrzeug-Flotte der Berliner Stadtreinigung (BSR), die witzige Namen wie Vielfraß, Nimmersatt und Leer Force One aufgedruckt haben. Dass eine Stadt wie Berlin nicht im Müll versinkt, verdanken wir einer ausgeklügelten Infrastruktur und maßgeblich den Männern und Frauen in Orange. Mit dieser Farbe wird Freude, Energie, Kraft, Lebhaftigkeit assoziiert. Das passt zu den beiden Müllwerkern Thomas Bahrenberg und Steffen Schmiel mit Kraftfahrer Sirko Farken und ihrem Müllwagen Pflanzrapid. An einem Montag begleite ich die drei auf ihrer Tour, um etwas über Arbeitsalltag, Probleme und Herausforderungen zu erfahren. Am Ende der Tour setzen wir unser Gespräch auf dem Betriebshof Malmöer Straße fort. Dort sind noch dabei: die Leiterin der Logistik, Ilona Baier-Rose, und ihre Kundendienst-Teamleiterin Linda Trier.

Gemeinsam mit dem Pressesprecher der BSR, Sebastian Harnisch, treffen wir uns zunächst an der Ramlerstraße. Seit sechs Uhr morgens ist das Team unterwegs. Von beiden Straßenseiten rollen die Männer die Müllcontainer heran und schnell zeigt sich das erste Problem: Die Straßenränder sind häufig durch Autos und Fahrräder zugeparkt. Sind die Container dann noch zu schwer oder überfüllt, haben selbst die kräftigen Herren ein Problem. Ob sie nach so einer Tour körperlich geschafft sind, frage ich. Alle drei nicken und lachen. „Am schlimmsten ist das im Winter, wenn manche Anlieger die Wege zu den Müllplätzen nicht ausreichend räumen“, sagt Thomas Bahrenberg, der jetzt zwei Jahre dabei ist.

Thomas Bahrenberg betankt den Pflanzrapid mit Biogas.

Behälteranzahl und -volumen richten sich nach Größe des Wohnhauses und der Zuwegung. Hier in der Graunstraße überwiegen die 1.100-Liter-Müllgroßbehälter, dunkelgraue Container auf vier Rädern. Probleme machen neben zugeparkten Einfahrten zu enge Tore oder ungünstig gestaltete Stellflächen. Beide Müllwerker haben den Eindruck, dass dies bei Neubauten schon bei der Planung zu wenig berücksichtigt wird.

Generell gilt: Müllbehälter nur bis zum geschlossenen Deckel füllen, nicht stopfen und nur das rein, was rein darf. „Da gibt es auch schon mal Container, die wiegen 300 Kilo“, erzählt Thomas Bahrenberg. Dann bleibt nichts anderes übrig, als den Inhalt zu überprüfen. Die unzulässige Entsorgung von Bauschutt oder verdichteter Müll sind oft die Ursachen. In einem solchen Fall wird der Container nicht geleert. Der Sachverhalt wird dokumentiert und der Eigentümer aufgefordert, diesen Umstand zu beseitigen. Ist der Behälter übervoll, wird die überbordende Ladung zunächst daneben gestellt, der Müllbehälter geleert und dann mit dem Rest wieder befüllt. Abgerechnet wird ja das vereinbarte Behältervolumen. Linda Trier sagt: „Wenn ich beim Fleischer 100 Gramm Wurst bestelle, bekomme ich für denselben Preis auch nicht einfach noch drei Scheiben dazu.“ Das leuchtet ein.

Sebastian Harnisch erklärt, dass ein großes Problem oft die unzureichende Mülltrennung in den Haushalten ist. Auch Plastikbeutel, in denen mancher seinen Biomüll entsorgt, stellen ein ernsthaftes Problem dar. Denn dadurch werde der Vergärungsprozess in der Biogasanlage erschwert, in der aus Bioabfall klimafreundliches Biogas entsteht. Dabei ginge es so einfach: Bioabfälle aus dem Beutel in die Biotonne entleeren und den Plastikbeutel in die dunkelgraue Hausmülltonne werfen. Alternativ können biologisch abbaubare Müllbeutel aus Maisstärke benutzt werden, die die BSR in ihrem Online-Shop anbietet. Das sollte machbar sein, tragen wir doch mit unserem Bioabfall zum Umweltschutz bei: Bereits die Hälfte der BSR-Müllfahrzeuge wird mit Biogas betankt. Diese sind leise, rußfrei und fahren klimaneutral. Voller Stolz erzählt Ilona Baier-Rose, dass der Betriebshof Malmöer Straße vor 15 Jahren der erste Hof mit Gastankstelle war.

Zum Ende unseres Treffens gegen 13 Uhr geht die Hofschranke fast im Sekundentakt auf und die orangen Ungetüme kommen auf den Hof zurück. Tanken, Tourenauswertung – und dann ist die Flotte fit für den nächsten Tag. Die drei Müllmänner übrigens lieben ihren Beruf, sie würden ihn immer wieder ergreifen. Und sie erhalten auch Wertschätzung, meistens von älteren Menschen. Wir alle sollten ihnen zulächeln, wenn sie unterwegs sind im Kiez.

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Text und Fotos: Beate Heyne

3 Kommentare zu “Unterwegs mit Team Orange

  1. Hallo, manche MieterInnen wollen, möchten, oder können sich an der Mülltrennung nicht beteiligen. Ich vermisse fröhliche und besser lesbare Hinweise auf den Müllkontainern in verschiedenen Sprachen, in denen darauf hingewiesen wird, daß z. B. die gelben und blauen Tonnen nicht kostenpflichtig sind, sowie wesentlich informativere Hinweise darauf, was genau in diese Tonnen gehört.
    Die Thematik “ Sperrmüll“ auf dem Hinterhof (= ein Ärgernis) sollte neu angegangen werden.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Isabel Girau

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