Stadtentwicklung

Sauberkeit mit Ideen aus Wien

Mit dem Aktionsprogramm „Sauberes Berlin“ soll verhindert werden, dass zu viel Müll auf Gehwegen und Grünanlagen landet. Fünf Abgeordnete aus Berlin haben sich in Wien angeschaut, was dort gegen Müllschweindl unternommen wird. Einige importierte Ideen sind schon in die Praxis überführt worden, andere werden noch diskutiert.

Müll oder gar Sperrmüll gehört nicht auf die Straße. Doch wer sich umschaut, sieht in Berlin an vielen Ecken achtlos Weggeworfenes oder ausrangierte Sofas, die auf Gehwegen verrotten. Es fängt meist mit Kleinigkeiten an. Wer schon einmal mit anderen Menschen in einer Wohngemeinschaft (WG) zusammengelebt hat, der kann sich das leicht vorstellen. Ein Mitbewohner lässt mal eben den benutzten Kaffeefilter auf dem Küchentisch liegen, der andere deponiert im Bad die leere Zahnpastatube auf dem Waschbeckenrand. Das gibt Zoff beim wöchentlichen Treffen der WG-Mitglieder. Wie im Kleinen, so geht es auch im Großen zu. Erst fliegt die Zigarettenkippe auf den Gehweg, schließlich die alte Sitzecke.

Fünf Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses sind im vergangenen Sommer nach Wien gereist, um sich anzuschauen, wie in einer anderen Großstadt mit den täglichen kleinen Nachlässigkeiten umgegangen wird. Das Resultat: Im Dezember wurden beachtliche 16 Millionen Euro pro Jahr in den Berliner Haushalt eingestellt. Das Geld fließt in das Aktionsprogramm „Sauberes Berlin“. Dessen genauer Inhalt ist noch nicht festgelegt. Aus Wien wurden aber drei Strategien mitgebracht.

Erst Wohnzimmer, dann BSR-Hof. An den Straßenrand gehört ein Sofa aber niemals! Foto: D. Hensel

Ein Mittel, um ordentliches Verhalten zu fördern, liegt nah: Strafen. Zu diesem Zweck will Berlin über das Aktionsprogramm 100 Müll-Sheriffs einstellen, die in Zivil auf Streife gehen. Die Waste-Watchers, die nicht zum Ordnungsamt gehören, würden den Senat 8,4 Millionen Euro kosten. Doch zumindest in Mitte waren sie im Rahmen eines Pilotprojekts bislang erfolglos. „Unsere neuen Müll-Detektive haben keinen Einzigen in flagranti erwischt“, sagt Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel. Anders verlief ein Versuch in Neukölln. Die ehemalige Bürgermeisterin Franziska Giffey freute sich seinerzeit, dass bei ihr dank der Kontrollen die Bußgeldeinnahmen um das Vierfache gestiegen waren.

Ein zweites Mittel ist: Angebote schaffen. 23.000 Kubikmeter Sperrmüll landen in Berlin jedes Jahr auf „illegalen Müllplätzen am Wegrand“, wie die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) mitteilen. Die BSR räumt den Sperrmüll zwar weg, stellt dafür Berlin aber 25 Millionen Euro in Rechnung. Überlegt wird, ob im Rahmen des Aktionsprogramms die kostenlose Abholung von Sperrmüll eingeführt werden soll. Derzeit kann Sperrmüll auf den 17 Berliner Recyclinghöfen gebührenfrei abgegeben werden. Es wäre allerdings bequemer, wenn ein Anruf bei der BSR genügte, und die orangen Fahrzeuge kämen vorbei. Oder es gäbe einen festen monatlichen Termin, an dem die BSR durch den Kiez rollt. Das alles wird zurzeit noch diskutiert.

Die dritte Lösung: Vorbild sein. Es steht schon fest, dass die BSR ab Juni zusätzliche Parks und stark genutzte Grünflächen in der Stadt reinigen wird (jedoch keine im Wedding). Bislang ist das Aufgabe der Grünflächenämter der Bezirke. Hintergedanke ist, dass eine saubere Umgebung dafür sorgt, dass sich mancher eher überlegt, ob er sein Bonbonpapier einfach fallen lässt. Außerdem soll mit einer öffentlichen Kampagne ein Bewusstsein für eine saubere Stadt geschaffen werden. Dabei könnte eine App fürs Smartphone helfen, die den nächst gelegenen Mülleimer anzeigt. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass auch viele orange Eimer in der Stadt aufgehängt sind. So wie neuerdings in der Usedomer- Straße und in der Wattstraße. Dort hat die BSR neue Abfallkörbe aufgestellt.

Weitere Vorschläge der parlamentarischen Wienbesucher werden derzeit von Senat, BSR und Bezirksabgeordneten diskutiert.

Text: Andrei Schnell, Fotos: Dominique Hensel

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