Historisches/Stadtentwicklung

Denkmale unter der Erde

Im Untergrund verlaufen wichtige Verkehrsadern dieser Stadt. Ihre Bahnhöfe sind Zeugen der Stadtgeschichte und Ingenieurbaukunst. Zwei von ihnen, beide durch die U8 verbunden, stehen unter Denkmalschutz: Gesundbrunnen und Voltastraße. 

Auch dank des Denkmalschutzes können wir heute Berliner Stadtentwicklungsgeschichte nachvollziehen. Die Er- und Unterhaltung von durch Menschenhand geschaffenen historischen Zeitzeugen ist keine Idee unserer Zeit, auch wenn das Land Berlin erst seit 1995 ein Denkmalschutzgesetz hat: Schon Goethe setzte sich mit diesem Thema auseinander, und Karl Friedrich Schinkel erarbeitete 1815 im Auftrag des preußischen Königs ein „Memorandum zur Denkmalpflege“.

Südliches Eingangsgebäude des U-Bahnhofs Gesundbrunnen.

In den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen, wie auch im Brunnenviertel, das historisch zur sogenannten Rosenthaler Vorstadt gehört, gibt es eine Vielzahl von Denkmalen, die die Entwicklung der Stadt dokumentieren. Nicht nur repräsentative Bauten und Wohngebäude gelten als erhaltenswert. Auch technische Anlagen und Grünanlagen werden unter Schutz gestellt. Die einen fallen groß und markant sofort ins Auge. Andere liegen eher versteckt, teils unter der Erde. Zwei dieser versteckten Baudenkmale sind die U-Bahnhöfe Gesundbrunnen und Voltastraße.

Erste Vorschläge für eine verkehrstechnische Anbindung der Rosenthaler Vorstadt kamen von der „Continentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen“ aus Nürnberg, die von Gesundbrunnen nach Neukölln eine Schwebebahn nach Wuppertaler Vorbild bauen wollten. Weil sie eine Verschandelung des Straßenbildes fürchteten, stimmten die Stadtpolitiker dann jedoch einem Vorschlag der AEG für eine Untergrundbahn zu. Der Bau der sogenannten GN-Bahn (Gesundbrunnen-Neukölln-Bahn, heute U8) begann 1912. Erst am 18. April 1930 wurde der Streckenabschnitt Gesundbrunnen–Neanderstraße (heute: Heinrich-Heine-Straße) in Betrieb genommen. Damals wie heute, inzwischen nach Norden und Süden verlängert, ist sie eine der wichtigen Verkehrstrassen der Stadt, die täglich von Tausenden Menschen genutzt wird.

Treppenabgang zum Bahnsteig des U-Bahnhofs Gesundbrunnen.

U-Bahnhof Gesundbrunnen

Der U-Bahnhof Gesundbrunnen entstand in der Zeit von 1928 bis 1930 nach den Entwürfen des aus Schweden stammenden Architekten Alfred Grenander (1863–1931) und seines früheren Schülers, des Architekten Alfred Fehse (1881–1943), der für die technischen Fragen zuständig war. Die Untertunnelung der bereits seit 1871 betriebenen Ringbahn ist wegen ihrer Konstruktion (zwei Reihen mit genieteten Doppel-T-Stützen, einem leicht gebogenen Grundriss folgend) und auch der tiefen Lage von etwa 12 bis 14 Metern unter der Straße eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Zum Zeitpunkt der Eröffnung war es die erste Station, die Rolltreppen besaß.

In den Bauten Alfred Grenanders, der schon vor dem Ersten Weltkrieg als U-Bahn-Architekt tätig war, spiegeln sich bis 1903 die Einflüsse des Jugendstils wider. Spätere Bauten wie die beiden Empfangsgebäude des U-Bahnhofs Gesundbrunnen und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Nord-Südbahn-AG am Alexanderplatz sind durch eine moderne, klare Formen- und Materialsprache geprägt.

Südlicher Zugang zum U-Bahnhof Voltastraße bei Nacht.

U-Bahnhof Voltastraße

Der U-Bahnhof Voltastraße wurde 1914/15 von der AEG-Schnellbahn-A.G. erbaut, jedoch zunächst nur im Rohbau fertiggestellt. Erst 1926 wurde der Bau der U-Bahn-Linie fortgeführt. Der neoklassizistische Entwurf geht möglicherweise auf Peter Behrens (1868–1940) zurück, der von 1908 bis 1912 maßgeblich das AEG-Gelände Humboldthain gestaltet hatte. Merkmal für die Bauzeit sind die graniten Stützsäulen, deren obere Abschlüsse sich von dorischen Kapitellen herleiten lassen.

Alfred Grenander vollendete 1929/30 die Arbeiten am U-Bahnhof Voltastraße mit der Ausgestaltung des Bahnhofs. Diese umfasste Wandbekleidungen mit großflächigen gelblich-grünen Fliesen, hölzernen Doppelbänken und zwei Bahnsteighäuschen. Zwei Zugänge führen von der Brunnenstraße, die parallel zu den Schienen verläuft, auf einen Mittelbahnsteig. Der südliche Zugang wurde 2011 barrierefrei und rollstuhlgerecht mit einem Aufzug ergänzt.

Alfred Grenander auf einer Bronzetafel im U-Bahnhof Klosterstraße.

Viele historische Ausstattungsdetails auf diesen beiden und anderen unter Schutz stehenden Bahnhöfen sind leider früheren Baumaßnahmen zum Opfer gefallen. Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte aus dem Jahr 2001 sollte das nördliche Empfangsgebäude des U-Bahnhofs Gesundbrunnen sogar abgerissen werden. Im selben Jahr trafen die Berliner Verkehrsbetriebe und das Landesdenkmalamt dann aber die ,,Grundsatzvereinbarung zur Regelung der Zusammenarbeit bei Umbauten und Grundinstandsetzungsmaßnahmen in denkmalgeschützten U-Bahnanlagen“ und das Empfangsgebäude blieb erhalten.

Fotostrecke mit weiteren Denkmalen im Brunnenviertel

Text und Fotos: Beate Heyne

 

Lesetipps zum Thema

  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Berlin – Bezirk Mitte/Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen, Michael Imhof Verlag, 2004
  • Mauruszat/Seefeldt: Berliner U-Bahn-Linien: U8 – Gesundbrunnen nach Neukölln, Verlag Robert Schwandl, 2016

 

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