Menschen im Kiez

Der Vorstand der jüdischen KAJ-Gemeinde im Interview

Viktoria Braslavsky wohnt im Brunnenviertel und gibt im brunnen-Magazin Einblicke in den Alltag orthodoxer Juden in Berlin, der auch ihr Alltag ist. Zunächst interviewte sie Doron Rubin, Vorstand der Gemeinde Kahal Adass Jisroel in der Brunnenstraße.

Viktoria Braslavsky: Doron, erzähl doch bitte, wie es mit unserer Gemeinde begann.

Doron Rubin: Vor zwölf Jahren sind wir mit der Jeshiwa, einem Lehrhaus für junge Männer, gestartet. Einige Jahre danach folgte die Midrascha, ein Lehrhaus für junge Frauen. Es gab Hochzeiten. Nach und nach wurden Kinder geboren und die Kita eröffnete. Danach haben wir die Schule gegründet. Diese Lehrinstitutionen, die die weltliche Bildung und die jüdische Traditionserziehung miteinander verbinden, sind für junge jüdische Familien aus Deutschland und anderen Ländern attraktiv. Vor vier Jahren haben wir unsere Gemeinde offiziell als Verein gegründet.

Wie groß ist die Gemeinde heute?

Doron Rubin: Im Brunnenviertel, in Mitte und im Prenzlauer Berg leben schätzungsweise 70 traditionsbewusste jüdische Familien. Tendenz steigend. Die meisten sind Juden aus Russland, der Ukraine und anderen Ländern Osteuropas. Es gibt aber auch Familien aus Israel, Amerika, England, Mexiko, Brasilien, Italien und Südafrika. Kaum ein Gemeindemitglied ist älter als 40 Jahre.

Gemeindevorstand Doron Rubin mit Viktoria Braslavsky im Betraum der Synagoge in der Brunnenstraße.

Kannst du uns etwas über das Synagogengebäude erzählen?

Doron Rubin: Die jüdische Gemeinde in Berlin hat das Gebäude 1910 gekauft und eingeweiht. 1938 wurde das Innere der Synagoge zerstört. Wegen der angrenzenden Häuser wurde sie jedoch nicht in Brand gesetzt und die Fassade hat bis zum heutigen Tag überlebt. Die Nutzung als Synagoge endete jedoch. Danach wurde das Gebäude für Volkseigene Betriebe genutzt, war eine Zeit lang Kuhstall oder auch Kosmetiklager. 1992 stand das Gebäude verlassen da und sollte abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative verhinderte das zum Glück. 2002 kauften jüdische Philanthropen das Gebäude. Seit 2007 ist hier wieder eine vollfunktionierende Synagoge mit regem Gemeindeleben beheimatet.

Was zeichnet unsere Gemeinde aus und was steht für dich persönlich im Mittelpunkt?

Doron Rubin: Unsere Gemeinde ist sehr herzlich und hilfsbereit. Es gibt viele Familien mit Kindern und überhaupt finde ich, dass das der beste Ort für jüdisches Leben in Deutschland ist. Ich bin sehr zufrieden mit der Infrastruktur. Wir haben eine gute Kita und von unserer Schule bin ich begeistert!

Wie fühlst du dich in der Rolle des Gemeindevorstands? Wie ich weiß, machst du das ehrenamtlich in deiner Freizeit.

Doron Rubin: Ich bin stolz darauf, Teil von etwas Großem zu sein. Man braucht sich nur die Kita anzuschauen und die Kinder und man begreift, dass hier nachhaltiges jüdisches Leben entsteht. Das hat, nach allem, was in Deutschland passiert ist, geschichtliche Bedeutung!

Doron Rubin stammt aus Süddeutschland und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen seit zehn Jahren in Berlin. Weitere Informationen zur KAJ-Gemeinde in der Brunnenstraße und Bilder von der Synagoge finden Sie in diesem Artikel

Ein Kommentar zu “Der Vorstand der jüdischen KAJ-Gemeinde im Interview

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