Streifzüge im Kiez

Der Kiez als Leinwand für Sprayer

Für die einen sind sie ein Symbol dafür, dass soziale Kontrolle im Stadtteil fehlt, für die anderen eine künstlerische Ausdrucksform. Welche Grafitti gibt es im Brunnenviertel? Ein Spaziergang mit der Kamera.

Simple Tags (sprich: Tägs) sind die Unterschriften von Graffitisprayern. In der Regel werden sie illegal überall hingesprüht und dürften den Allermeisten eher auf die Nerven gehen. Die Kürzel selbst sagen dem Betrachter nichts – sollen es auch meist nicht, denn die Anonymität ist für den Sprayer wichtig. Er (oder sie) tut ja etwas Verbotenes. Nur Angehörige der Szene wissen gelegentlich, wer sich hinter einem bestimmten Tag verbirgt. Mit echtem Namen kennt man sich eher selten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein oft gesehener, wenn auch offensichtlich nicht besonders künstlerisch veranlagter Sprayer scheint Zoom zu sein. Seine Tags sieht man auf der Swinemünder Straße eigentlich überall. Wir wissen natürlich nicht sicher, ob sich hinter Zoom immer derselbe Urheber verbirgt. Falls ja, hat er oder sie jedenfalls den Stil mehrmals geändert. Überhaupt, das ehemalige Gebäude des Diesterweg-Gymnasiums ist zum Dorado für Sprayer geworden. 2011 ist die Schule in die Böttgerstraße umgezogen, aber das vom Architekturbüro Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner entworfene Gebäude in der Putbusser Straße 12 verfällt zusehends und wurde zur Leinwand für Sprayer.

Aber nicht selten kommt es vor, dass Studierende der Architektur es aufsuchen und fotografieren, weil es eine für die 1970er-Jahre typisch poppige Architektur aufweist. Gerade das heftige Orange ist ein echtes Kind seiner Zeit. Auch junge Besucher aus anderen Bundesländern wissen den spröden Charme des Gebäudes zu schätzen.

Wenige Meter weiter östlich – im Mauerpark – gibt es an vielen Stellen Grafitti. Zwar ist das Sprayen auch hier, an der Grenze zwischen Mitte/Wedding und Prenzlauer Berg, grundsätzlich verboten, es sei denn, der Hausherr hat es im Auftrag gegeben.

Es gibt an der ehemaligen Berliner Mauer selbst, direkt neben dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, eben auch ein Stück Mauer, an dem das Sprayen ausdrücklich erlaubt ist. Das wird auch ausgiebig genutzt. Was hier teilweise zu sehen ist, sind ohne Zweifel echte Hingucker. Diese Freiheit gehört zum Flair der berühmten Grünfläche in unserer Nachbarschaft. Der Mauerpark dürfte wohl auch deshalb inzwischen in keinem Berlin-Reiseführer fehlen.

Text: Rike Stoffregen
Fotos: Lyonel, Florens, Annette und Matthias Stoffregen

Ein Kommentar zu “Der Kiez als Leinwand für Sprayer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s