Barrierefreiheit/Streifzüge im Kiez

Brunnenviertel im Barrieretest

Kopfsteinpflaster, Randsteine, fehlende Rampen – all das sind Hindernisse für viele Menschen. Unser Autor hat sich umgeschaut, wie die Situation im Brunnenviertel ist, und berichtet von seinen Erfahrungen mit Barrieren im Kiez.

Der demografische Wandel macht auch vor dem Brunnenviertel nicht halt. Auch in unserem Kiez werden die Menschen im Durchschnitt immer älter. Das ist auf der einen Seite schön, auf der anderen Seite geht dies aber oft mit einer Einschränkung der Mobilität einher. Außerdem gibt es auch immer mehr junge, mobilitätseingeschränkte Menschen auf unseren Straßen. Zumindest sind sie sichtbarer als beispielsweise noch in den 1970er und 1980er Jahren. Das hat die Hinwendung zum Konzept der Inklusion, das prinzipiell alle Menschen einbeziehen möchte, bereits bewirkt.

Daneben sieht man zum Glück – nicht mehr allein in Prenzlauer Berg, sondern auch auf den Straßen in unserem Kiez – wieder mehr junge Mütter und Väter, die stolz ihre Kinderwagen vor sich her schieben.

Für alle hier genannten Personengruppen, aber nicht nur für die, stellen Barrieren wie nicht abgesenkte Randsteine oder grobes Kopfsteinpflaster schier unüberwindbare Hindernisse dar. Wie ist die Situation im Brunnenviertel? Ist unser Kiez barrierefrei? Die Antwort, das zeigt der Selbsttest, ist hier ein klares „Jein“.

Keine Verbindung: der Mauerpark

Im Mauerpark kommt Manfred Böhm mit seinem Rollstuhl nicht weiter.

Im Mauerpark kommt Manfred Böhm mit seinem Rollstuhl nicht überall weiter.

Wie groß war die Freude im Kiez, als nach einer jahrzehntelangen Trennung des ehemaligen Bezirks Wedding vom Prenzlauer Berg durch den Mauerpark vor wenigen Jahren ein Durchgang geschaffen wurde! Doch leider ist die Verbindung nicht für jeden nutzbar. Denn Rollstuhlfahrer müssen, von der Lortzingstraße kommend in Richtung Max-Schmeling-Halle, auf halber Strecke umkehren. Auf der gesamten Länge der Schwedter Straße im Mauerpark (also zwischen Gleimstraße im Norden und Bernauer Straße im Süden) gibt es keine einzige Stelle mit abgesenktem Randstein. Auf meine Anfrage per E-Mail an die beiden Grünflächenämter Pankow und Mitte, ob man dies nicht wenigstens provisorisch – wie sonst zum Beispiel an Baustellen üblich – und damit kostengünstig verwirklichen könne, bekam ich die lapidare Antwort, dass leider kein Geld da sei.

Unerreichbar: die Gleim-Oase

Ein weiteres Negativbeispiel in Sachen Barriere­freiheit ist die Gleim-Oase. Die begrünte Verkehrsinsel am Eingang zum Gleimtunnel, um die sich unter anderem Dunja Berndt und Holger Eckert als Paten kümmern, ist uns allen im Brunnenviertel ein liebgewonnenes Fleckchen Erde geworden. Uns allen? Nein. Für Rollstuhlfahrer gibt es leider keinen Zugang mit abgesenktem Randstein. Und das obwohl Dunja und Holger seit Jahren an den entsprechenden Stellen im Bezirk darauf hinarbeiten. Auch hier fehlt es an Geld, oder ist es vielleicht der Wille, der fehlt?

Gute Beispiele: geht doch!

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Auf manchen Strecken rollt es sich gut im Mauerpark.

Aber es gibt auch Positives aus unserem Viertel zu berichten. Für mich stellt der noch relativ neue Aufzug am U-Bahn­hof Voltastraße eine herausragende Verbesserung dar, die ich an dieser Stelle unbedingt erwähnen möchte. Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen werden mir zustimmen.

Und wie sieht es im privaten Wohnbereich aus? Um das zu klären, habe ich mich mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft degewo, dem größten Vermieter im Brunnenviertel, in Verbindung gesetzt. Christoph Rasche, Architekt des sich gerade im Bau befindlichen neuen Gebäudes der Wohnungsbaugesellschaft an der Ecke Wolliner- und Gleimstraße, hat mir schriftlich mitgeteilt, dass es bisher schon elf degewo-eigene Wohnungen für Rollstuhlfahrer im Kiez gibt. Diese zeichneten sich unter anderem durch einen schwellenlosen Zugang, breitere Türen und bodengleiche Duschen aus.  Neben diesen bestehenden Wohnungen befänden sich im eben genannten Neubau 18 weitere im Entstehen. Laut Gesetz wären nur 16 notwendig. Die degewo macht hier also mehr, als verlangt wird. Und das ist doch eine gute Nachricht!

Text: Manfred Böhm
Fotos: Andrei Schnell

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