Barrierefreiheit

Barrierefrei oder was?

Das Thema Barrieren und Barrierefreiheit wird heute anders betrachtet als noch vor einigen Jahren. In Zukunft wird der Aspekt vor allem bei der Planung und Umsetzung von Baumaßnahmen an Bedeutung gewinnen. Denn Barrieren gehen alle an und betreffen fast jeden. 

Barrieren betreffen fast jeden Menschen.

Barrieren betreffen fast jeden Menschen.

Zum Thema Barrieren wird eine Vielzahl von Begriffen verwendet: Manchmal liest man, eine Wohnung sei barrierefrei oder auch barrierearm, eine andere ist behindertengerecht oder aber auch behinderungsgerecht oder rollstuhlgerecht. In Berlin sind die Planungsgrundsätze für öffentliche Gebäude und den öffentlichen Raum im „Berlin-Design for all“ festgelegt. Das ist eine europäische Strategie, die Inklusion zum Ziel hat.

Man könnte meinen, dies wäre ein babylonisches Sprachgewirr. Das ist aber nicht der Fall. Tatsache ist, dass einige dieser Begriffe in Gesetzen klar definiert sind, andere haben sich im Laufe der Zeit in den Sprachgebrauch eingeschlichen und eingebürgert. Mancher Begriff ist schlichtweg falsch. Und gerade deshalb ist es wichtig, diese Begriffe richtig zu verstehen und auch korrekt anzuwenden.

Wenn in einer Wohnungsanzeige steht, dass die angebotene Wohnung barrierefrei ist, dann denken die meisten wahrscheinlich, dass hier eine rollstuhlgerechte Wohnung angeboten wird. Eine barrierefreie Wohnung ist aber noch lange nicht rollstuhlgerecht! Wenn über eine barrierefreie Gestaltung des Lebensumfeldes gesprochen wird, dann heißt das in erster Linie, dass für Menschen mit einer Behinderung die Wohnung, der Arbeitsplatz und der öffentliche Außenraum „… in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind“.  So steht es in Paragraf 4 des Bundesgleichstellungsgesetzes (BGG). Das heißt, dass jeder dieses Umfeld oder die bauliche Anlage nutzen kann, wie er es gewohnt ist. Das ist eine hohe Anforderung, die es zu erfüllen gilt. Denn das bedeutet zum Beispiel, dass sowohl für einen Menschen mit einer Bewegungseinschränkung als auch für jemanden mit einer Sehbehinderung die Überquerung einer Ampelkreuzung grundsätzlich ohne fremde Hilfe möglich sein muss.

Und da fangen die Probleme bereits an: Was in diesem Fall für den einen eine Hilfe ist, nämlich ein möglichst schwellenloser Übergang vom Gehweg auf die Fahrbahn, kann für den anderen ein Hindernis, eine Barriere sein, weil er diesen Übergang nicht wahrnehmen kann.

Denkt man das Thema der Barrierefreiheit weiter beziehungsweise umfassender, dann geht es darum, das Lebens-, Wohn- und Arbeitsumfeld möglichst arm an Barrieren zu gestalten, sodass es alle möglichst ohne Einschränkung nutzen können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Menschen verschieden sind: groß oder klein, dick oder dünn, Baby oder Senior, bepackt oder mit einem anderen „Hindernis“ unterwegs …

Auch gilt es, die Vielfältigkeit der Behinderungen zu berücksichtigen, die nach körperlichen, geistigen und seelischen unterschieden werden. Zu den körperlichen Behinderungen gehören neben Bewegungseinschränkungen auch Sehbehinderungen und Blindheit, aber auch Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Zu den geistigen und seelischen Behinderungen gehören zerebrale Störungen, aber auch Querschnittslähmungen und die Multimorbidität – eine Beeinträchtigung durch mehrere Behinderungen.

Für Architekten, Stadtplaner und Designer, aber auch für die Politik, wird es eine große Herausforderung sein, dieser Vielfalt der Gesellschaft in Zukunft gerecht zu werden.

Text und Illustration: Beate Heyne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s