Menschen im Kiez/Redaktion

Überlebenstipps für Berlin

Cecilia Stickler ist Schwedin, wohnt aber schon lange in Berlin. Für sie ist vieles anders hier. Ihre persönlichen Überlebenstipps für die Stadt:

cecilia_hejIm Supermarkt hast du zwei Möglichkeiten, je nachdem, welcher Typ du bist. A: Du hast schwache Nerven? Bezahle mit Karte! Das beschäftigt den Kassierer etwas länger und gibt dir beim Einpacken Bruchteile von Sekunden Aufschub, bevor sich dein Einkauf an der Kasse gefährlich hoch türmt und mit den Waren des nächsten Kunden vermischt. Möglichkeit B: Du hast Kampfgeist und brauchst eine Herausforderung? Dann legst du die Sachen aufs Band, richtest den Turm aus Waren, gleichzeitig packst du ein, kramst dein Portemonnaie aus der Handtasche, suchst das Geld heraus, bezahlst und versuchst dabei, deine Ware von der des nächsten Kunden zu trennen. Womöglich hast du dabei auch noch ein dreijähriges Kind direkt vor den Süßigkeiten an der Kasse … Und versuche dabei doch mal, passend zu zahlen und krame ausgiebig nach den elenden Centmünzen.

Apropos Centmünzen: Die Schweden haben das Kleingeld abgeschafft, die sparsamen Deutschen nicht. Vielleicht kommt daher die gute deutsche Wirtschaftskraft? Auf jeden Fall ist es bestimmt sehr befreiend, wenn du deinen Sparstrumpf zur Feierabendzeit bei Lidl loswerden kannst … Mit Befreiung hat auch das U-Bahn-Fahren zu tun. Wenn du in Berlin aus der U-Bahn aussteigen möchtest, darfst du nicht zaghaft sein. Du musst durch die Menge durch, die wie in Beton gegossen direkt vor der Tür steht. Nicht verzagen: Du schaffst das!

Auch ganz wichtig: Du darfst mit der Sauberkeit nicht so pingelig sein. Hier schmeißt oder stellt man gern alles auf die Straße. Und da es viel Geld kostet, das alles wieder einzusammeln, beschloss der frühere Bürgermeister, das als „Berlin ist arm, aber sexy“ zu verkaufen. Bei mir bleiben da Zweifel: Ist Müll sexy? Etwas unsexy ist auch eine andere deutsche Prozedur: Wenn du Kuchen kaufen gehst, brauchst du zwei freie Hände. Der Kuchen wird hier akribisch auf einem klitzekleinen Pappstück zusammengedrückt, drumherum wird nur ein dünnes Papierchen gewickelt. Das darfst du auf der flachen Hand balancierend nach Hause tragen, wo du dann ein wunderbares Kuchendurcheinander hast, das an dem dünnen Papierchen klebt.

Aber am allerwichtigsten ist: Du darfst dich nicht von den sehr direkten Berlinern einschüchtern lassen. Nimm es nicht persönlich, wenn dir jemand seine Meinung laut und deutlich verkündet. Das ist hier eben so. Aber wenn du mal Hilfe brauchst, wenn Not an Mann oder Frau ist, sind sie für dich da, die Berliner. Hier bist du gut aufgehoben. Berlin ist trotz allem eine ganz wunderbare Stadt und ich lebe sehr gern hier.

Cecilia Stickler bloggt über ihren Alltag in Berlin auf der Internetseite www.nichts-für-feiglinge.de

Text: Cecilia Stickler
Foto: Dominique Hensel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s